Kommentar
Kommt Peking jetzt Trump entgegen?

Renzo Ruf, Washington
Renzo Ruf, Washington
Merken
Drucken
Teilen
US-Präsident Donald Trump (rechts) wirft China unfaire Handelspraktiken und den Diebstahl geistigen Eigentums vor. Mit im Bild: Chinas Staatsoberhaupt Xi Jinping (links).

US-Präsident Donald Trump (rechts) wirft China unfaire Handelspraktiken und den Diebstahl geistigen Eigentums vor. Mit im Bild: Chinas Staatsoberhaupt Xi Jinping (links).

KEYSTONE/AP/ANDY WONG

Die Nervosität, mit der die Börsianer in New York am Donnerstag auf die Eskalation der wirtschaftspolitischen Konfrontation zwischen den USA und China reagiert haben, ist angebracht. Denn Peking wird die einseitig von Donald Trump verhängten Strafzölle nichteinfach hinnehmen. Dies könnte sich nicht nur auf die gut gefüllten Regale amerikanischer Supermärkte auswirken, in denen bisher Fernsehgeräte aus China für weniger als 100 Dollar zu haben sind. Unter einem Handelskrieg zwischen den wirtschaftlichen Grossmächten werden auch amerikanische Exportindustrien leiden. So wirbeln Strafzölle die globale Zulieferkette durcheinander und US-Firmen laufen Gefahr, von lukrativen Märkten ausgeschlossen zu werden. Dazu zählt zum Beispiel auch die Landwirtschaft: So exportieren Bauern aus Iowa jährlich Produkte im Wert von mehr als 1 Milliarde Dollar nach China.

Andererseits stimmt es, wenn Präsident Trump sagt, dass sich chinesische Unternehmen in den vergangenen Jahren ungestraft amerikanischer Geschäftsgeheimnisse bedient haben. So wurden Firmen, die in China investierten, dazu gezwungen, Gemeinschaftsunternehmen mit lokalen Unternehmen zu gründen. Diese unlauteren Methoden kann Washington nicht länger tolerieren.

Offen ist, wie der Streit enden wird. Donald Trump scheint nicht zur Kenntnis nehmen zu wollen, dass Handelspolitik aus mehr besteht als bloss der Aufreihung von Exporten und Importen. Chinakönnte es deshalb gelingen, mit Zugeständnissen im letzten Moment noch den Kopf aus der Schlinge zu ziehen.