Kommentar
Museumsreif – oder: «Dann weisst also auch noch, wie man das bedient?»

Es ist weiss, viereckig und hängt im Flur. Wer noch vor dem Handy-Zeitalter zur Welt kam, der kennt es. In unserem bald hundertjährigen Haus hängt das Relikt aus alten Zeiten verwaist im Flur. Bis die 11-Jährige kürzlich darauf aufmerksam wurde.

Nathalie Wolgensinger
Nathalie Wolgensinger
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Peter Klaunzer / Keystone

Es ist weiss, viereckig und hängt im Flur. Wer noch vor dem Handy-Zeitalter zur Welt kam, der kennt es: Es ist das Ding, das jeweils läutete, wenn jemand auf den Hausanschluss anrief, umgangssprachlich «Lüüti» genannt.

In unserem bald hundertjährigen Haus hängt das Relikt aus alten Zeiten verwaist im Flur. Keinem fiel es bisher auf. Bis die 11-Jährige kürzlich darauf aufmerksam wurde. «Eine Klingel für das Telefon?», fragte sie ungläubig. Nach kurzem Überlegen wollte sie wissen: «Das klingelte nur dort, und ihr habt das im ganzen Haus gehört?» Die Fragezeichen über ihrem Kopf wurden immer grösser. Die Erklärung, dass dieser schrille Ton selbst Tiefschläfer senkrecht im Bett stehen liess, sorgte für zusätzliche Verwirrung.

Wie das Telefon einst aussah, das hingegen wusste sie. Sie hatte es kürzlich im Museum gesehen. Die Frage, ob man das Telefon damals in den Hosensack stecken konnte, erübrigte sich also.

Schier unglaublich fand sie aber, dass sich früher eine Familie ein Telefon teilte. Und dass man sämtliche Nummern aller Freunde auswendig kannte, fand sie ebenso komisch, wie die Tatsache, dass man manchmal stundenlang versuchte, jemanden zu erreichen. Voller Ehrfurcht stellte sie fest: «Dann weisst also auch noch, wie man das bedient?»