Cappuccino
Knackig in die Zukunft

Eddy Schambron
Eddy Schambron
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Das Grossratsgebäude in Aarau: Vor den Wahlen 2016 sind nur 10 der 140 Grossräte 65 Jahre alt oder älter.

Das Grossratsgebäude in Aarau: Vor den Wahlen 2016 sind nur 10 der 140 Grossräte 65 Jahre alt oder älter.

Alex Spichale

Für jetzt ist es zu spät. Aber für danach bringe ich mich schon mal in Stellung. In vier Jahren kann ich mithelfen, ein Missverhältnis aus der Welt zu schaffen. Heute sind nur gerade 10 von 140 Grossrätinnen und Grossräten 65 Jahre alt oder älter. Das entspricht 7,1 Prozent. Dabei liegt der Anteil der Senioren in der Aargauer Gesamtbevölkerung bei rund 17 Prozent, Tendenz steigend. Die Forderung nach einer Veralterung des Parlaments, wie neulich in der Zeitung formuliert, ist also naheliegend, und ich bin mit meinem Jahrgang gerade richtig. Meinen Slogan für das Plakat am Strassenrand habe ich bereits: «Knackig in die Zukunft». Und diese einmalige Plattform hier missbrauche ich gleich für meinen Wahlkampf.

Zugegeben, mein Wahlslogan kommt nicht an die «schnittige» Politik heran, wie es in diesem Jahr einer verspricht. Er ist auch nicht so genial wie das «gerecht», das ein anderer Kandidat auf sein Plakat drucken liess. Wer würde schon einem ungerechten Kandidaten seine Stimme geben? Glück habe ich, dass in meinem Nachnamen ein C und ein H vorkommen. So kann ich die begeisternde Idee kopieren und dieses C und H ebenfalls so einrahmen, wie es als CH an den Autos klebt, mit denen wir ins Ausland fahren. Damit unterstreiche ich: Ich bin Schweizer. Vielleicht sogar: Ich bin mehr Schweizer als die andern. Besonders gefällt mir schliesslich, wie eine junge Kandidatin auf dem Plakat Weitblick verspricht und demonstrativ einen Feldstecher in der Hand hält. Ich kann sogar mit Weit- und Nahsicht aufwarten: Ich trage Gleitsichtgläser in meiner Brille.

Jetzt muss ich mich noch für eine Farbe entscheiden, denn Politiker treiben es bekanntlich manchmal bunt. Sollte zum Beispiel heute Roth in die Aargauer Regierung kommen, sehen nicht nur Grüne schwarz, vor allem für das Bildungswesen. Am besten würde wohl ein sattes Grau passen, nicht nur, weil ich zur Veralterung des Parlaments beitragen werde. Sondern weil alle Theorie grau ist, wie man immer wieder auch anhand parlamentarischer Arbeit feststellen kann.

Trotzdem werde ich für eine positive Aufbruchstimmung im Kanton sorgen und mit einem Video auf allen Kanälen beweisen, dass ich Türen öffne und dass mit mir die Sonne aufgeht. So werde ich versuchen, ein Gegengewicht zu den Politikern zu setzen, die ständig nur schwarzmalen.