Kuriose Wahl
Klingnau will doch kein Seldwyla sein

In Klingnau kam es am Sonntag zu einem kuriosen Wahlausgang. Oliver Brun wird als Gemeinderat gewählt, liegt aber bei der Ammann-Wahl hinter Kontrahent Reinhard Scherrer. Der kann sein Amt nicht antreten. Wie soll es weitergehen? Ein Kommentar.

Philipp Zimmermann*
Philipp Zimmermann*
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Die Propstei in Klingnau – hier haben Gemeindeverwaltung und Gemeinderat ihre Büros.

Die Propstei in Klingnau – hier haben Gemeindeverwaltung und Gemeinderat ihre Büros.

Philipp Zimmermann

Gottfried Keller hätte seine Freude am Wahlsonntag in Klingnau gehabt. Er war so grotesk, dass er wunderbar in sein Werk «Die Leute von Seldwyla» gepasst hätte. Die Klingnauer hatten einen neuen Gemeinderat und einen neuen Gemeindeammann zu wählen. Zwei Kandidaten stellten sich zur Verfügung. Vielen war offenbar nicht klar: Als Ammann kann nur gewählt werden, wer gleichzeitig in den Gemeinderat gewählt wird. Und prompt passierte es: Der eine bekam mehr Stimmen als Gemeinderat, der andere mehr Stimmen als Gemeindeammann. Und weil der vermeintlich gewählte Ammann zu wenig Stimmen für den Sprung in den Gemeinderat holte, bleibt der Ammann-Sitz verwaist.

20 Prozent der Stimmbürger haben den Wahlzettel falsch ausgefüllt. Es ist offensichtlich: Auch wenn formal alles korrekt abgelaufen ist, so lief hier doch etwas schief. Die Gemeinde darf nun nicht weitermachen, als wäre nichts passiert. Sie würde riskieren, dass Gemeinderat und Verwaltung bei der Bevölkerung Vertrauen und Glaubwürdigkeit einbüssen.

Bei solch einem Fall darf sich auch niemand wundern, wenn das Interesse an Lokalpolitik, egal, ob in einem Städtli oder Dorf, abnimmt. Wer geht schon gerne wählen, wenn er danach als Trottel dasteht? Noch blöder vorkommen müssen sich Kandidaten für Gemeindeämter. Wer will sich noch in der Lokalpolitik engagieren, wenn er möglicherweise Opfer einer Wahlposse wird?

Die Klingnauer haben es nicht verdient, mit Seldwyla verglichen zu werden. Sie haben es selber in der Hand.

* Der Autor wohnt selbst in Klingnau. – E-Mail: philipp.zimmermann(ad)azmedien.ch

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