Kindesentführungen
Kinder sind das Stiefkind der Politik

Kinder sind ein beliebtes Objekt der Politik, besonders so lange sie noch ungeboren sind. In diesen Tagen wird besonders heftig um sie gestritten. Zum Beispiel bei der Abstimmung über die sogenannte Präimplantationsdiagnostik. Der Kommentar.

Rolf Cavalli
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Thumb for 'Nach der Flucht: Grossmutter der entführten Anna erzählt'

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Hier stellt sich die Grundsatzfrage: Wie weit darf die Fortpflanzungsmedizin gehen? Oder etwa anhand eines Bundesgerichtsurteils, das festhält, dass sich bei einem Schwulenpaar mit Leihmutter-Kind nicht beide Männer als Vater eintragen dürfen. Das provoziert die Frage: Welche Elternrechte sollen für Homosexuelle gelten?

Beides sind gesellschaftlich wichtige Themen: Es geht um Ethik und Gleichberechtigung. Und es sind Themen von Erwachsenen. Sobald es allerdings um die Interessen von Kindern geht, die schon auf der Welt sind, verstummt die Politik schnell. Drastisch zeigt sich das bei Kindern, die zum Spielball von getrennten Eltern werden, wie bei der aktuellen Kindsentführung von Bremgarten.

Zwar gibt es seit 2009 ein Bundesgesetz über internationale Kindsentführung. Doch dieses erweist sich als Papiertiger.
In der Praxis schiebt der Bund die Verantwortung an die Kantone ab, die wiederum geben sie an die Gerichte weiter. Was die Politik nicht anfassen will, soll die Justiz erledigen. Dabei bleibt das Wohl des Kindes auf der Strecke.

Es wird gerne mit Kinderthemen politisiert – dort, wo sie Erwachsenen etwas bringen. Die Kinder selber haben keine Lobby. Weil man mit ihnen direkt keine Stimmen holen kann, sind sie das Stiefkind der Politik.

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