Kommentar
Keine Tabus in der Corona-Politik, aber fundiert bei der Sache bleiben

Der Aargauer Grossratspräsident Pascal Furer streitet sich mit dem Infektiologen Christoph Fux über den Nutzen der Covid-Impfung. Er befindet sich damit auf dem falschen Terrain. Ein Kommentar.

Rolf Cavalli
Rolf Cavalli
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Der neue Grossratspräsident Pascal Furer. Aufgenommen am 5. Januar 2021 bei der Grossratssitzung in Spreitenbach

Der neue Grossratspräsident Pascal Furer. Aufgenommen am 5. Januar 2021 bei der Grossratssitzung in Spreitenbach

Chris Iseli / AGR

Wenn sich Wissenschafter und Politiker in die Haare geraten, ist das oft ein schiefer Streit.

Das liegt in der Natur der Sache. Das Wesen der Wissenschaft ist es, zu hinterfragen und dann zu Erkenntnissen zu kommen. Das Geschäft der Politik dagegen ist es eher, einen Standpunkt einzunehmen und Interessen zu vertreten.

Zur Bewältigung der Coronakrise braucht es beide. Forscher sollen unabhängig forschen und der Politik ungeschminkt Fakten vorlegen. Die Politik wiederum muss eigenständig entscheiden können, ohne blind den Virologen folgen zu müssen.

Grossratspräsident Pascal Furer hat recht, wenn er beansprucht, Corona-Massnahmen ohne Tabus hinterfragen zu dürfen. Auch zum Impfen darf jeder eine persönliche Meinung haben.

Schwierig wird es, wenn er als Politiker eine alternative Meinung zum wissenschaftlichen Forschungsstand haben will und ohne Beleg behauptet, Impfungen schützten nicht vor der Übertragung des Virus. Als «höchster Aargauer» erweist Furer der Impfkampagne des Kantons jedenfalls keinen Dienst. Denn sind Zweifel einmal gesät, haben es Fakten doppelt schwer.

Schuster bleiben am besten bei ihren Leisten: Wissenschafter sollen nicht selber Politik machen, sie tragen dafür auch nicht die Verantwortung. Und Politiker sollen nicht Pseudo-Wissenschafter spielen. Sie sind dafür weder qualifiziert, noch werden sie dafür gewählt.