Apropos
Keine Sünde auf der Waschmaschine?

Samuel Schumacher, Giswil
Samuel Schumacher, Giswil
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Keystone

Ein Chalet ausserhalb von Giswil, Kanton Obwalden. Im Hintergrund stemmt sich die Schattenfluh gegen den Himmel. Neben dem Chalet steht ein Geburtsbäumchen. «Karin» kam im Januar zur Welt. Unter dieser Anzeige hängt eine... eine... – ja, was ist denn das? Tatsächlich – eine hölzerne Waschmaschine.

Kleine Karin, du Ärmste: Dein Schicksal scheint schon vorgezeichnet, durch den hölzernen Anhang am Geburtsbaum. Waschen – was sonst. Die Eltern – klassische Obwaldner Hinterwäldler? – gönnen dir nicht den Hauch einer Chance auf ein eigenständiges Dasein.

Handkehrum hat das natürlich auch etwas Befreiendes, in ungewissen Zeiten früh mit einem klaren Lebensauftrag ausgerüstet zu werden. Karin soll keine Zeit verschwenden mit Zweifeln über den Sinn des Daseins. Gar nicht erst ins Grübeln kommen ob all der Optionen, die das Leben bereithielte. Gar nicht erst frei sein müssen wie über der Schattenfluh der Himmel. Mädchen, einfach waschen!

Am nächsten Tag erzähle ich beim Mittagessen von der verstörenden Begegnung unter Karins Geburtsbaum. Mein Kollege stutzt ebenfalls: «Eine Waschmaschine, sagst du? Hm, bestimmt eine Anspielung auf den Zeugungsort.» Nun geriet ich ins Grübeln. Ach, diese Obwaldner – sie bleiben uns ännet dem Wald ein Rätsel.