Kommentar
Kein Linksrutsch in Aarau, aber ein Rütschlein

Ueli Wild
Ueli Wild
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Blick in den Aarauer Einwohnerrat. (Archiv)

Blick in den Aarauer Einwohnerrat. (Archiv)

In den letzten vier Jahren funktionierte der Einwohnerrat nach dem Mitte-Links-Rechts-Schema. Vorteil Mitte-Links: 26:24. Die Bürgerlichen klagten wiederholt, sie dürften zwar reden, entscheiden würden jeweils die andern. Die Hoffnung, dass Links und Rechts angesichts der Fast-Balance konsensorientierter arbeiten würden, um Entscheide zu finden, hat sich nicht bewahrheitet – im Gegenteil.

Ihr Ziel, die 2013 verlorene Mehrheit zurückzugewinnen, haben FDP, SVP und CVP nicht erreicht. Die Blöcke sind zahlenmässig exakt gleich stark geblieben. Wobei das Gewicht der SP zulasten der Mitte-Partner zugenommen hat. Doch: Der ultimative Linksrutsch, der nach den Stadtratswahlen ebenfalls möglich schien, ist ausgeblieben.

Mit der Wahl von Hanspeter Hilfiker als Stadtpräsident und Werner Schib als Vize hat der Souverän zwar dafür gesorgt, dass die Bäume zur Linken nicht in den Himmel wachsen. Aber im Parlament wird es für die Bürgerlichen trotzdem nicht einfacher: Fakt ist nun einmal, dass Mitte-Links jetzt sowohl in der Legislative wie in der Exekutive bei Vollbestand eine Mehrheit hat.
Das zu erwartende Fortdauern des Status quo unter solchermassen erschwerten Bedingungen könnte den Schulterschluss rechts intensivieren. Notfalls samt vermehrtem Griff zum Referendum, um zu klären, ob Aarau in der jeweiligen Sache so tickt, wie es wählt. Und es bleibt die Hoffnung, dass die Linke das Überzahlspiel nicht als Kunst um der Kunst willen betreibt.