Thurgau
Kehrtwende im Streit um Frühfranzösisch ist richtig

Yannick Nock
Yannick Nock
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Der Kanton Thurgau will den Frühfranzösisch-Unterricht nun doch beibehalten.

Der Kanton Thurgau will den Frühfranzösisch-Unterricht nun doch beibehalten.

Nicole NARS-ZIMMER

Die Entscheidung kam überraschend – und sie ist richtig. Der Thurgau hat diese Woche beschlossen, am Französisch in der Primarstufe festzuhalten. Erst Anfang Mai hatte sich der Grosse Rat noch für die Abschaffung ausgesprochen. Die Kehrtwende macht Sinn, denn es ging um mehr als das Frühfranzösisch, um mehr als den Sprachenstreit. Es ging darum, ob Sonderlösungen an den Schulen noch zeitgemäss sind. Die Thurgauer, vor Wochen noch als «die Unbeugsamen» betitelt, gaben gleich selbst die Antwort: Nein! Die Kantone sollen keine Bildungsinseln mehr sein. Die Schulen, einst Vorzeigekind des Föderalismus, sind zu Vorreitern der Einheit geworden.

Es sind längst nicht nur Politiker und viele Lehrer, die sich für einheitliche Richtlinien aussprechen. Die Bevölkerung musste in den letzten Monaten Stellung beziehen – und war deutlich: Schlag auf Schlag wurden die Initiativen gegen den Lehrplan 21 – und damit kantonale Sonderlösungen – abgeschmettert. In Schaffhausen, in St. Gallen, im Appenzell, im Aargau und in Solothurn. Hinzu kam vor wenigen Wochen das Zürcher Bekenntnis zum Frühfranzösisch, das den Umschwung im Thurgau antrieb. Besonders beim Lehrplan 21 kommt der Durchmarsch der Einheitlichkeit überraschend. Die Opposition war aktiv, laut und landesweit vernetzt. Aber der Kantönligeist der Bildung ist vielen suspekt, die Mobilität ist heute wichtiger. Wer umzieht, soll an der neuen Schule nicht hinterherhinken.

Wenn sich also selbst die Unbeugsamen beugen, ist die Zeit reif für einen neuen Kampf. Nicht der zwischen den Kantonen, sondern der über den besten gemeinsamen Lehrplan.

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