Apropos
Kann niemand mehr sitzen?

Max Dohner
Max Dohner
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Es hockt sich langsam ein – dieses «hocken», schreibt Autor Max Dohner in seinem Apropos.

Es hockt sich langsam ein – dieses «hocken», schreibt Autor Max Dohner in seinem Apropos.

Sandra Ardizzone

Es hockt sich langsam ein – dieses «hocken». Man könnte zwischendurch auch wieder mal «sitzen». Meinetwegen auch im Dialekt. In Nachrichten, in Dialekt weitergegeben, ist besonders häufig die Rede von «hocken». Vornehmlich also auf lokalen Stationen.

Ein Geier hockt eher auf dem toten Ast, als dass er sitzt. Desgleichen ein Papagei auf einer Schulter. «Nesthocker» sind noch einige Vögel, nicht unbedingt «Nestsitzer». Aber was ist mit den Unglücklichen in jenem Auto, das von einem «Todesraser» in Seon frontal erfasst worden war, wodurch zwei Menschen starben? Der Raser soll, wie man lesen konnte, nun weniger als mit acht Jahren Gefängnis dafür büssen. Es bereitet Unbehagen, überall zu hören, im Todeswagen seien vier Leute «gehockt». Nirgends «sassen» diese Unglücklichen auch mal. Als hätten sie – wie in der Beiz – halt etwas «überhockt» am späten Abend.

Zwischen «sitzen» und «sich fläzen» liegt «hocken», bezogen auf den Menschen. Es wäre schon ein minimales Zeichen von Respekt, ihn nicht dauernd am «Hocken» zu beschreiben, sondern mit etwas mehr Würde auch im Sitzen. Selbst dann, wenn das überall grassierende «hocken» der allgemeinen Vulgarität geschuldet sein sollte, wie sich inzwischen viele Leute im öffentlichen Raum hin ... pflatschen.

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