Kommentar
Kampf gegen Littering: Respekt alleine reicht nicht

Private sammeln freiwillig den achtlos liegen gelassenen Abfall anderer Leute ein. Ihnen gebührt Respekt. Doch das alleine reicht nicht aus. Sollte es nicht selbstverständlich sein, dass man seinen Güsel selber bis zum nächsten Abfalleimer mitnimmt?

Sabina Galbiati
Sabina Galbiati
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Mit Handschuhen aus dem Baumarkt hebt Annemarie Martin den Abfall auf, den andere an der Limmatpromenade achtlos liegen gelassen haben.

Mit Handschuhen aus dem Baumarkt hebt Annemarie Martin den Abfall auf, den andere an der Limmatpromenade achtlos liegen gelassen haben.

Sandra Ardizzone

An der Limmatpromenade in Baden sammelt eine Frau aus Überzeugung den achtlos liegen gelassenen Abfall anderer Leute ein.

Sie ist damit nicht allein: In Mellingen haben jüngst drei Freiwillige beim Tauchen einen kleinen Abfallberg aus der Reuss geborgen.

Mancherorts nehmen Fischer fremden Müll mit, den sie an den Flussufern finden, oder organisieren Putzaktionen. Gleichzeitig geben Kanton und Gemeinden Millionen an Steuergeldern aus, weil sie auf Rastplätzen, an Strassenrändern, im Wald oder auf öffentlichen Plätzen den liegen gelassenen Müll wegräumen müssen.

Statt sich ein Beispiel zu nehmen an der Frau, welche die Limmatpromenade in mühseliger Sisyphusarbeit säubert, erntet die Frau verständnislose Blicke oder wird gar angesprochen: Das räumen doch die Angestellten der Stadt weg; das bringe doch nichts.

Ob diese Menschen je verstehen werden, dass ihre Steuergelder für Sinnvolleres eingesetzt werden könnten, muss man wohl anzweifeln. So oder so: Diese Frau und mit ihr die Taucher aus Mellingen und die Fischer an den Flussufern verdienen nicht nur unseren Respekt. Solche Menschen verdienen unsere Unterstützung.

Doch: Sollte es nicht selbstverständlich sein, dass man seinen Güsel selber bis zum nächsten Abfalleimer mitnimmt? Sind wir gegenüber unserer Umwelt so gleichgültig geworden?

Sollte dem so sein, so haben wir die Wahl: Entweder wir greifen bei den Bussen konsequenter durch oder wir zeigen Zivilcourage und machen es wie jene Frau von der Limmatpromenade.

sabina.galbiati@azmedien.ch

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