Zivildienst-Debatte
Junge Schweizer haben keine Lust auf Krieg

Jonas Schmid
Jonas Schmid
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Junge Männer verzichten heute liebend gerne auf Drill und Gefechtsübungen. (Archiv)

Junge Männer verzichten heute liebend gerne auf Drill und Gefechtsübungen. (Archiv)

KEYSTONE/URS FLUEELER

Der Zivildienst ist eine Erfolgsgeschichte. Die Zulassungen klettern seit seiner Gründung steil nach oben – zum Leidwesen der Armee. Haben junge Männer die Wahl, verzichten sie liebend gerne auf Sturmgewehr und Drills. Lieber packen sie Probleme an, die vor der Haustür liegen, und helfen Bauern, Kranken, Alten und der Umwelt in diesem Land.

Gleichzeitig hat sich die Aussicht auf eine friedliche Zukunft verfinstert. Mit den Putins, Trumps und Assads ist die Welt unsicherer geworden. Kein Wunder, nimmt das Bedürfnis in der Bevölkerung nach mehr Sicherheit stetig zu. Käme morgen eine Armeeabschaffungsinitiative an die Urne, sie würde kläglich scheitern.

Wie passt das zusammen? Die heute aktive Generation ist in Friedenszeiten aufgewachsen. Ihr fehlt die Kriegserfahrung – und das Verständnis dafür, Konflikte mit Gewalt zu lösen. Auch wissen die jungen Männer, dass ein moderner Krieg hier mit Waffen geführt würde, die das Potenzial haben, sämtliches Leben in Kürze auszulöschen. Was nützt da stundenlanges Herumhampeln auf dem Waffenplatz oder die Reinigung der Kampfstiefel? Warum Lebenszeit an eine Institution verschwenden, auf die man im Ernstfall gerne bauen würde, an die man aber gar nicht glaubt?

Bürgerliche Politiker wollen die Armee stärken, indem sie den Zivildienst unattraktiver machen. Sie sind auf dem Holzweg. Besser würden sie sich überlegen, wie sie die Armee attraktiver machen können. Nur: wie eine Institution aufhübschen, mit der sich kaum einer identifiziert?

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