Polemik
Jugend ohne Sex

Max Dohner
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Wieder mal Studien unter der Jugend: «Äh – und der Sex?» Wieder tristes Ergebnis, einfach anders rum: «Hm, wie oft, sagten Sie? Oh verstehe, null.» Taten es die Jungen gestern
zu oft, tun sie es zu selten jetzt. Alle ausser die Kurie zeigen sich besorgt: Überfordert «öisi Zuekunfft» nicht mit ewigem Multitasking! Ein Frühfranzösisch ist genug.

«Jugend ohne Sex» – das hiess gestern noch «Jugend ohne Gott». Eine Erzählung von Ödön von Horváth. Darin missbilligt ein Vater die «Humanitätsduselei» eines Lehrers und schwärzt ihn an (Juristen, die sich über Aufsätze beugen, sind keine moderne Erfindung, aber heute genauso öde).

Der Lehrer kriegt den Blues, geht in eine Bar und bestellt Schnaps. In der Bar sitzt ein Kollege, Julius Cäsar, und hört die Klagen an. Darauf erklärt Cäsar dem Kollegen den Wandel der Gesellschaft, am Beispiel der Sexualität. Er spricht vom Zeitalter der Fische. Er sagt, die Seele des Menschen werde bald so unbeweglich sein wie das Antlitz eines Fischs. Im Licht der neusten Studien erweist sich diese Prognose als falsch. Die Antlitze der heutigen Jugend sind nur so unbeweglich wie bei Pokémon Go.