NLA
Jonas Hiller zu Biel: Lotto-Sechser mit Nebenwirkungen

Jonas Hiller wird in Biel Aushängeschild werden. Auf den ersten Blick für Trainer Kevin Schläpfer ein «Lotto-Sechser» und die Lösung aller sportlichen Probleme. Auf den zweiten Blick zeigen sich aber auch Nebenwirkungen.

Klaus Zaugg
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Mit der Verpflichtung von Jonas Hiller landet Biel einen Coup.

Mit der Verpflichtung von Jonas Hiller landet Biel einen Coup.

Keystone

NHL-Goalie Jonas Hiller (34) wechselt für drei Jahre zum EHC Biel. Er verdient etwas mehr als 400 000 Franken pro Saison und ist Biels teuerster Transfer aller Zeiten. Aber er ist nicht teurer als Tobias Stephan in Davos oder Leonardo Genoni in Bern. Alles in allem also eine lohnende Investition.

Auf den ersten Blick für Trainer Kevin Schläpfer ein «Lotto-Sechser» und die Lösung aller sportlichen Probleme. Auf den zweiten Blick zeigen sich auch Nebenwirkungen. Die Erwartungen sind hoch. Zu hoch? Kann ein Einzelspieler ein hässliches graues Playout-Entlein in einen strahlenden Playoff-Schwan verwandeln? Das warnende Beispiel von David Aebischer muss die Bieler noch nicht beunruhigen. Der ehemalige Stanley-Cup-Sieger kam im Laufe der Saison 2007/08 ebenfalls aus der NHL nach Lugano. Aber er hatte im Trainingscamp den Sprung ins NHL-Team von Phoenix nicht mehr geschafft. Er war damals fünf Jahre jünger als jetzt Jonas Hiller und vermochte die hohen Erwartungen weder in Lugano noch später bei den Lakers zu erfüllen.

Aber Jonas Hiller ist nicht David Aebischer. Er ist mindestens eine Nummer grösser. David Aebischer war in der NHL nur eine Saison lang (2003/04/Colorado) unbestritten die Nummer eins. Jonas Hiller hat eine ganz andere NHL-Karriere hinter sich. Er war sieben Jahre lang in der NHL die Nummer 1, erst in Anaheim und auch noch in der ersten Saison in Calgary. Er wurde zum All-Star-Game aufgeboten und mit einem Jahressalär von 4,5 Millionen Dollar verdiente er letzte Saison beinahe doppelt so viel wie David Aebischer in seiner besten Zeit.

Jonas Hiller und David Aebischer unterscheiden sich auch vom Stil her. Hiller ist ein provozierend ruhiger Blocker. Er wirkt optisch so, als ziehe er die Pucks wie ein Magnet an. Aebischer war hingegen ein wilder Spektakelgoalie, der die Stürmer herausforderte und dabei Gefahr lief, überlistet zu werden.

Scheitert Biel mit Hiller, wird der Trainer schuld sein

Jonas Hiller ist trotz einer mässigen letzten Saison bei Calgary immer noch eine grosse Nummer. Deshalb hat er als «Lotto-Sechser» für Trainer Kevin Schläpfer auch Nebenwirkungen. Biel verliert durch den Transfer dieses grossen Torhüters die Unschuld des Aussenseiters. Scheitert Biel, dann wird es das Scheitern des Trainers sein. Sollte Jonas Hiller zu viele Treffer kassieren, dann wird moniert, etwas stimme halt mit dem Defensiv-System von Kevin Schläpfer nicht – das habe man doch schon letzte Saison gesehen! Es wird aus finanziellen, politischen und sportlichen Gründen unmöglich sein, Jonas Hiller in einer Krise zum Sündenbock zu machen. Wenn es nicht läuft, dann wird der Zorn des Bieler Hockeyvolkes zum ersten Mal ungefedert Trainer Kevin Schläpfer treffen. Und wenn es läuft, dann wird Jonas Hiller als neuer «Hockey-Gott» gefeiert – und nicht mehr nur Kevin Schläpfer.

Der neue «Hockey-Gott» an Kevin Schläpfers Seite

Jonas Hiller ist eine charismatische Persönlichkeit, die in Biel die Kabine «füllen» wird. Ein Problem sollte das für Kevin Schläpfer eigentlich nicht sein. Er ist in der Lockout-Saison ja auch mit den NHL-Stars Tyler Seguin und Patrick Kane klargekommen. Aber es gibt schon einen Unterschied: Jeder wusste, dass Seguin und Kane nur Gäste waren. Jonas Hiller aber ist gekommen, um zu bleiben. Kevin Schläpfer muss also erstmals mit einem zweiten «Hockey-Gott» an seiner Seite leben lernen. Biels charismatischer Trainer steht vor seiner aufregendsten, aber auch vor seiner schwierigsten Saison.

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