Polemik
Jobabbau auf Seite drei

Grosse Unternehmen verstecken schlechte Nachrichten gerne im Geschäftsbericht. Für die Betroffenen wird es dadurch auch nicht besser.

Andreas Schaffner
Andreas Schaffner
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Zurich-Konzernchef ad interim Tom de Swaan (r.) und sein Finanzchef George Quinn verkünden die schlechten Resultate.

Zurich-Konzernchef ad interim Tom de Swaan (r.) und sein Finanzchef George Quinn verkünden die schlechten Resultate.

REUTERS

Es macht mir nichts aus, einen Geschäftsbericht von 300 Seiten zu lesen. Das ist mein Job. Was mich stört, und dabei bin ich nicht der Einzige, sind die «Versteckis»-Spiele. So hat die Zurich-Versicherungsgruppe den Stellenabbau von weltweit 8000 Mitarbeitern auf Seite drei versteckt.

Zuerst kamen die Lobesreden. Das wird die 55 000 Mitarbeiter weltweit nicht besänftigen. Denn sie wissen genau, dass es im letzten Jahr nicht überall gut lief. Und sie wissen genau, dass ein Streichkonzert folgt. Ihnen gegenüber wäre es fair gewesen, reinen Wein einzuschenken. So schafft ein Unternehmen kein Vertrauen.

Bei der Zurich hat das Versteck-Spiel Tradition. Sie waren eine der ersten Firmen, die Sondereffekte im Unternehmensresultat herausgerechnet haben und von einem «normalisierten» Gewinn sprechen. Heute machen das auch andere: Sie klammern Währungseffekte aus, rechnen Bereiche nicht zum Ergebnis, die nicht mehr weitergeführt werden. Mit dem Resultat, dass die Firma viel besser dasteht.

Ein schlechtes Resultat schönreden geht jedoch nur bedingt. Und die Jobkürzungen als «Positionen», die von der Transformation betroffen sind, zu bezeichnen, macht es für die Betroffenen auch nicht besser.