Regierungsratswahlen
Jetzt sollte die Mitte auf Bally setzen

Die SVP schickt ihre Kandidatin Franziska Roth auch in den zweiten Wahlgang. Damit stürzt sie die bürgerlichen Mitteparteien ins Dilemma. Der Kommentar.

Christian Dorer
Christian Dorer
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Maya Bally, die Regierungsratskandidatin der BDP.

Maya Bally, die Regierungsratskandidatin der BDP.

ZVG

Der Aargau hat einen bemerkenswerten Wahlsonntag erlebt. Der Grosse Rat ist nach links gerutscht: Die SP gewinnt 3,7 Prozentpunkte Wähleranteil und fünf Sitze. Typisch für unsere Demokratie: Schwingt das Pendel in die eine Richtung aus, folgt die Gegenbewegung. Jetzt kam die Korrektur des nationalen Rechtsrutsches 2015. Der Aargau bleibt aber trotzdem klar bürgerlich.

Die Regierungsratswahlen sind eine Anerkennung für die klar wiedergewählten Bisherigen und ein Triumph für Markus Dieth (CVP), der es im ersten Wahlgang schaffte. So konzentriert sich nun alles auf den fünften Sitz, der am 27. November besetzt wird. Franziska Roth (SVP) liegt praktisch gleichauf wie Yvonne Feri (SP).

Für die Kandidatin der grössten Partei ist das nicht berauschend, aber besser als erwartet. Die SVP hat deshalb noch gestern Abend verkündet: Roth tritt nochmals an – und die bürgerlichen Mitteparteien sollen sich bitteschön hinter sie stellen. Damit stürzt die SVP diese ins Dilemma. Unterstützen sie plötzlich Roth, die sie bisher für nicht wählbar erklärten, machen sie sich unglaubwürdig. Unterstützen sie sie nicht, werden sie zu Wahlhelfern der Linken.

Es gibt einen einfachen Ausweg: FDP, CVP, BDP, Grünliberale und EVP – also alle, die zwischen SP und SVP stehen – müssen eine Alternative präsentieren. Die drei Lager Links, Mitte und Rechts vertreten je etwa ein Drittel der Wähler. Das linke Drittel hat Yvonne Feri, das rechte Drittel Franziska Roth – und die Kandidatin der Mitte steht auch bereit: BDP-Fraktionschefin Maya Bally. Sie hat, obwohl Vertreterin einer Kleinstpartei, ein beachtliches Resultat erzielt und liegt keine 10 000 Stimmen hinter Roth, der Kandidatin der grössten Partei.

Bally sei in der falschen Partei, wird moniert – erst recht, da der Wähleranteil der BDP gestern auf 2,7 Prozent geschrumpft ist. Mag sein. Doch Regierungsräte sind keine Parteisoldaten. Entscheidend sind Persönlichkeit, Kompetenz und Weltbild. Bei Letzterem sind die Präferenzen individuell. Deshalb braucht es eine Auswahl für all jene, die weder SVP-Roth noch SP-Feri wollen.