Polemik
Jetzt aber: Ich werde Schweizerin

Es ist meine persönliche Konsequenz aus dem düsteren 11/9 dieses Jahres: Ich werde Stimmbürgerin.

Anne-Sophie Scholl
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(Symbolbild)

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KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

Eine erste Ohrfeige erlebe ich wieder gleich im Einwanderungsbüro: «Sie müssen einen Test machen», erklärt mir die Dame. Es ist ihr peinlich, ich sehe das. Sie versucht eine Versöhnung: «Aber einen Sprachtest brauchen Sie nicht zu machen bei dem Land, aus dem Sie kommen.» Ihr Blick schwenkt zurück zu meinem Pass.

Ich bin Literaturredaktorin, also Sprachexpertin. Und: Ich arbeite in einer demokratiebildenden Institution. Rund zwanzig Jahre Schulbildung bis zum Uniabschluss liegen hinter mir – das sind mehr Bildungsjahre, als die meisten Schweizer vorweisen können. Und meine Schulbildung ist genauso ur-schweizerisch wie das Land, aus dem ich komme: Ich bin hier geboren.

Nicht dass ich etwas dagegen hätte, dass Stimmbürger ihre Befähigung zur Demokratie ansatzweise nachweisen müssten. Im Gegenteil. Wäre es so, bliebe der Welt wahrscheinlich das Trump-Desaster erspart. Aber wenn schon, dann bitte ALLE – ist das nicht eine der Voraussetzungen von Rechtsstaat und Demokratie?

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