Polemik
Im Sandkasten der Schriftsteller

Anne-Sophie Scholl
Anne-Sophie Scholl
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«Es waren die peinlichsten Momente im US-Wahlkampf, wenn Trump gegen Hillary loszog und ihre vermeintlichen Fehler anführte.»

«Es waren die peinlichsten Momente im US-Wahlkampf, wenn Trump gegen Hillary loszog und ihre vermeintlichen Fehler anführte.»

KEYSTONE/AP/DAVID GOLDMAN

Es waren die peinlichsten Momente im US-Wahlkampf, wenn Trump gegen Hillary loszog und ihre vermeintlichen Fehler anführte. Wohin bloss vor lauter Fremdschämen? Nicht dass irgendjemand mit Trump vergleichbar wäre, aber ein ähnliches Spiel bot kürzlich die vermeintliche hiesige geistige Elite: Der Autor Jonas Lüscher, der in seiner Eröffnungsrede fürs Literaturfestival «Zürich liest» die Rede seines letztjährigen Vorredners Peter Stamm zerpflückte und in dieser wiederum einen versteckten Angriff gegen Lukas Bärfuss und dessen Wut-Essay gegen die Schweiz sah. Soll Literatur politisch engagiert oder zweckfrei sein?

Nicht dass die Debatte neu wäre oder dass etwas Neues hinzuzufügen wäre. Aber neu oder doch sehr befremdend ist, wenn Literatur den Zweck verfolgt, Allianzen und Fronten zu bilden oder die Kollegen zu schelten. Wie wenn es in der Kunst eine klare Trennschärfe für richtig oder falsch gäbe. Oder einen Ort, der einen ermächtigt zu sagen, die Kunst der anderen sei falsch. Nicht von ungefähr hatte Peter Stamm keine Namen genannt. Er war von der eigenen Erfahrung ins Allgemeine gegangen. Was, wenn nicht das, ist politisch?