Bundeshaus-Blog
Im Café Fédéral: Burkhalters «Bromance»

Der trägt aber dick auf!», dachte sich wohl manch ein Leser nach der Lektüre des Interviews mit Bundesrat Didier Burkhalter.

Lorenz Honegger
Lorenz Honegger
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Didier Burkhalter mit John Kerry.

Didier Burkhalter mit John Kerry.

Keystone

Im Gespräch mit dieser Zeitung hatte der FDP-Magistrat sein Verhältnis zu US-Aussenminister John Kerry vor eineinhalb Wochen so umschrieben: «Wir kennen uns sehr gut. Auf Englisch würde man vielleicht sagen, wir sind ‹close›.»

Kann es sein, dass der Aussenminister der kleinen Eidgenossenschaft mit dem zweitwichtigsten Mann der mächtigsten Regierung der Welt befreundet ist?

Einen Tag später folgte der Bildbeweis. Ein Fotograf der Agentur Keystone lichtete John Kerry ab, wie er Didier Burkhalter am Rande des World Economic Forums in Davos scheinbar ohne Ankündigung die Schultern massierte. Ein typisches Beispiel für eine «Bromance», würde man auf Neuenglisch sagen, eine brüderliche Romanze. Oder auf Normaldeutsch: eine klassische Männerfreundschaft. Burkhalter hatte also nicht zu dick aufgetragen.

Die entscheidende Frage lautet aber: Was bringt es dem Land, wenn unsere Bundesrätinnen und Bundesräte auf persönlicher Ebene mit anderen Ministern und Staatschefs befreundet sind? Ist das nicht bloss Selbstdarstellung? Natürlich lässt kein Regierungsmitglied der Welt die Interessen seines Landes von seinen privaten Sympathien leiten.

Und doch ist es hinreichend erwiesen, dass zwischenmenschliche Kontakte auf der grossen Bühne der Weltpolitik eine wichtige Rolle spielen können. In einer künftigen Krise wird es dem Kleinstaat Schweiz deshalb gewiss nicht schaden, wenn seine Bundesräte einen direkten Draht zu den Mächtigsten dieser Welt haben. Steuerstreit, EU-Konflikt und Libyen-Krise lassen grüssen.