Apropos
Ich trage roten Lippenstift

Eine kleine Anekdote aus dem Leben einer Frau, die auch künftig nicht auf Make-up verzichten will – trotz aller Forderungen, mehr auf die inneren Werte zu setzen.

Maria Brehmer
Maria Brehmer
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In aller Öffentlichkeit:

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Keystone

Knapp 20 Jahre war ich alt, als mir eine Verwandte einen Rat erteilte. «Mädchen, wisch deinen roten Lippenstift ab. Er verwirrt die Männer nur», sagte sie. Natürlich wischte ich meinen roten Lippenstift nicht ab. Meine Grosstante musste sich mit der Antwort begnügen, dass das meine Sache sei. Euer konservatives Weltbild akzeptieren? Mache ich. Danach leben? No way. Mich selbst über mein Erscheinungsbild ausdrücken: Und ob!

An diesem Weltbild, das ich seither über meine bayrisch-ländliche Verwandtschaft stülpte, wurde nun gerüttelt. In der aktuellen Sexismus-Debatte nämlich fordert die deutsche Soziologin Barbara Kuchler Frauen dazu auf, sich von allen vermeintlich schön machenden Dingen zu trennen: figurbetonte Kleidung, Highheels, Makeup. Alles muss weg, was uns Frauen von Männern noch unterscheidet. Und das fängt mit der Zeit, die wir im Badezimmer und vor dem Kleiderschrank verbringen, an. War der Rat meiner Grosstante also doch nicht so anti-feministisch? Wollte sie lediglich, dass ich mehr auf meine inneren Werte setze?

Nein. Sie wollte mir damit vorschreiben, wie ich auszusehen habe. Sie untergrub meine Selbstbestimmung. Und genau um diese geht es in der Sexismus-Debatte. Egal ob mit rotem Lippenstift oder ohne: Wir verdienen alle den gleichen Respekt. Und dazu gehört, Menschen nicht nach ihrem Äusseren zu bewerten.