Kommentar
Ich bin Hugo und will in den Grossen Rat

Eine Freiämterin will in den Grossen Rat – aber sehen darf sie niemand. Jedenfalls weigert sie sich, mit Foto öffentlich zu ihrer Kandidatur zu stehen. Ist das eine gute Idee?

Toni Widmer
Toni Widmer
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Céline Baumann ist die einzige Freiämter Grossratskandidatin ohne Foto.

Céline Baumann ist die einzige Freiämter Grossratskandidatin ohne Foto.

Im Bezirk Bremgarten kandidiert eine junge Frau (Jahrgang 1998) für den Grossen Rat. Sie heisst Célina Baumann, politisiert für die GLP, wohnt in Oberwil-Lieli und besucht die Kantonsschule in Baden. Diese Angaben kann man dem Kandidatenporträt auf der Website des Kantons Aargau entnehmen.

Mehr erfährt man auf dem normalen Weg über die junge Frau nicht. Auf der Website der GLP Bezirk Bremgarten, auf der alle ihre Partei-Kolleginnen und -Kollegen etwas mehr von sich preisgeben, ist nicht einmal ihr Name aufgeführt. Geschweige denn irgendwelche politischen Ziele oder sonstige Angaben, aus denen man(n) oder frau schliessen könnte, ob diese Frau für ihn oder sie allenfalls wählbar wäre.

Es ist somit davon auszugehen, dass Célina Baumann gar nicht in den Grossen Rat gewählt werden will, sondern einfach als (halbanonyme) Stimmenfängerin für die GLP Bezirk Bremgarten fungiert.

Das ist nicht verboten, und wer sich in der Politik auskennt, weiss, dass sogenannte Listenfüllerinnen und -füller auch in anderen Parteien durchaus gang und gäbe sind. Nur hat es bisher noch niemand so auf die Spitze getrieben wie die GLP und ihre Kandidatin Célina Baumann.

Diesem Beispiel zu folgen, ist für mich für diese Wahlen zu spät. In vier Jahren bin ich Rentner und habe für solche Spielchen hoffentlich massenhaft Zeit. Nicht ausgeschlossen, dass ich dann einen Flyer gestalte auf dem lediglich steht: «Ich bin Hugo und will in den Grossen Rat.»

toni.widmer@azmedien.ch