Apropos
Ich auch. Aber was kommt danach?

Rahel Koerfgen
Rahel Koerfgen
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Sie hat den Hashtag ins Rollen gebracht: Schauspielerin Alyssa Milano.

Sie hat den Hashtag ins Rollen gebracht: Schauspielerin Alyssa Milano.

Keystone

#metoo. Ich auch. Schon zig Male sexuell belästigt worden. Im Club, im Flugzeug, beim Einkaufen. Aktuell im Fitnessstudio. Der Typ gafft. Er stellt sich vor mir auf, trainiert jeweils an Geräten, die sich in meiner Nähe befinden. Zoomt sich meinen Po ganz nah ran.

#metoo, ein Hashtag geht um die Welt. Der Aufschrei Tausender Frauen auf sozialen Netzwerken, eine Buchstabenlawine, die der Alltagslethargie die Luft zum Atmen nimmt.

Ich mache da nicht mit. Ja, vielleicht tut es gut, mal raus in die Welt zu schreien, die Schmach zu teilen, wenigstens virtuell. Auf dieser kollektiven Betroffenheitswelle mitzureiten, damit sexuelle Belästigung wieder ins kollektive Bewusstsein rückt. Tut sie auch. Aber nur kurz, zu kurz.

#metoo. Ich auch. Aber was kommt danach? Wenn der letzte Schrei, der letzte Beileidskommentar verhallt ist? Dann wieder Stille. Alle lullen sich in ihren Alltags-Kokon ein, entsolidarisieren sich so rasant, wie sie sich empört haben. Und die Betroffenen, sie sind wieder allein.

#metoo sagt mir nicht, wie ich mich im Fitnessstudio verhalten soll. Nimmt mir nicht die Hemmung, dies der Leitung zu melden. Auch nicht die Angst vor einer Antwort wie: «Ein bisschen gucken, das ist doch nicht schlimm.» Eine Ohnmacht, die darin mündet, dass ich die Blicke stumm über mich ergehen lassen werde. Wie Tausende andere Frauen auch.