Fahrländer
Hürzeler ist nicht schuld am Desaster

Hans Fahrländer
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Der Aargauer Bildungsdirektor Alex Hürzeler.

Der Aargauer Bildungsdirektor Alex Hürzeler.

Mario Heller

Das Bildungsdepartement BKS und sein derzeitiger Chef, SVP-Regierungsrat Alex Hürzeler, wurden in dieser Spalte auch schon mal kritisiert. Doch nun folgt hier eine Verteidigungsrede. Worum geht es? Der Grosse Rat hat am Dienstag das Standort- und Raumkonzept für die Sekundarstufe II «in der Luft zerrissen», wie die Aargauer Zeitung schrieb. Es hagelte Kritik von allen Seiten, als hätte das BKS ein furchtbares Schrottpapier abgeliefert. In hämischen Kommentaren war von einer Klatsche für Hürzeler, von einer krachenden Niederlage die Rede. Uns erinnert das ein wenig an Obama: Der drang ebenfalls mit eigentlich nötigen Reformen nicht durch, weil das Parlament ihm die Gefolgschaft verweigerte.

Gehen wir zurück an den Anfang. Aus der Erkenntnis, dass das Konzept «Stabilo» aus dem Jahr 2001 den Entwicklungen in der modernen Berufsbildung nicht mehr genügt, präsentierte die Regierung nach langer Planungsarbeit drei Varianten für eine massvolle Konzentration von Berufsausbildungen und die Schaffung von Kompetenzzentren pro Berufsgruppe. Doch schon die Vernehmlassung war vernichtend. Die Regionen wehrten sich gegen jede Wegnahme eines Berufsfeldes, als ginge es um Leben und Tod. Die Regierung zog dem Konzept hierauf die schärfsten Zähne. Doch auch die weichgespülte Variante empfanden die Regionalpolitiker im Grossen Rat nun noch als gezielte Beleidigung für ihre Region. Überdies sei der Spareffekt für die ganze Übung viel zu klein.

Am Schluss bleiben, neben einem schalen Nachgeschmack, drei Erkenntnisse. Die erste zur Sache: Weil nicht jede Schule die besten Lehrkräfte, die besten Einrichtungen und Ausrüstungen haben kann, empfiehlt sich die Bildung von Zentren pro Berufsgruppe. Eigentlich logisch, oder nicht? Doch die Vorteile einer synergetischen Zusammenführung blieben stets am Rand der Debatte. Die Ausbildungsqualität im Zentrum? Fehlanzeige. Die zweite Erkenntnis zum Geld: Nicht jeder eingesparte oder einzusparende Franken ist in der Aargauer Politik gleich viel wert. Während man sich in Spardebatten in vier- oder fünfstellige Beträge verkrallen kann, versieht man hier eine Einsparung von 2 Mio. Franken mit einem Refusé-Zettel: Bringt zu wenig. Und die dritte Erkenntnis zum Kanton der Regionen: Bringe nie eine Vorlage, die einer Region etwas wegnehmen will, in einem Wahljahr. Da kommen sie, die (wieder) gewählt werden wollen, wie brüllende Löwen gestürzt.

Uns würde es jedenfalls nicht wundern, wenn Alex Hürzeler bei nächster Gelegenheit das Departement wechseln würde.