Kommentar
Hoffentlich kein böses Erwachen

Mathias Küng
Mathias Küng
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Der Grosse Rat tagt im Grossratsgebäude in Aarau.

Der Grosse Rat tagt im Grossratsgebäude in Aarau.

Chris Iseli

Auf den ersten Blick hat der Grosse Rat mit der zurückhaltenden Ausgabenpolitik bei den Krankenkassen-Prämienverbilligungen richtig entschieden. Der Anteil der Bezügerinnen und Bezüger soll schliesslich nicht zu hoch klettern. Sonst sind dereinst dringend nötige Reformen im Gesundheitswesen chancenlos. Denn je mehr die Kostensteigerung via Prämienverbilligung ausgeglichen wird, desto mehr sinkt die Bereitschaft für Reformen, die wehtun. Zudem stellt der Grosse Rat weniger Geld bereit, als die Regierung wollte, weil derzeit bei weitem nicht alle Gelder abgeholt werden. Dies gewiss auch, weil etliche Leute keinen Anspruch mehr haben.

Auf den zweiten Blick muss man aber fragen: Gibt es auch andere Gründe? Der zuständige Gemeinderat von Schübelbach (SZ) ging unlängst dieser Frage nach, weil etliche Einwohner die Prämien nicht zahlten. Er fand laut «Beobachter» heraus, dass viele ihre Prämienverbilligung nicht abgeholt hatten, etliche schon mit dem Antrag überfordert waren. Er ging bei diesen Leuten vorbei und konnte viele Knöpfe lösen.

Falls auch im Aargau viele, die das Geld für die Prämienverbilligung nicht abholen, dringend darauf angewiesen sind, wäre die Freude über die eingesparten Millionen kurz. Denn letztlich drohen Verlustscheine, und davor fürchten sich die Gemeinden. Es ist also in ihrem Interesse, die Gründe zu klären, warum viele das Geld nicht abholen. So könnte man rechtzeitig Massnahmen einleiten, damit die Freude über tiefere Kantonsausgaben für die Gemeinden nicht in einem bösen Erwachen endet.