Apropos
Hilfe, (k)ein Notfall!

Noemi Lea Landolt
Noemi Lea Landolt
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Zahlreiche Medikamente sind in der Apotheke nur mit Rezept erhältlich. (Symbolbild)

Zahlreiche Medikamente sind in der Apotheke nur mit Rezept erhältlich. (Symbolbild)

Alex Spichale

Es ist Sonntagmittag. Ich bin die einzige Kundin in der Apotheke des Kantonsspitals. «Mein Auge ist entzündet», erkläre ich der Frau hinter der Theke. Sie mustert mein Gesicht. «Das ist aber ziemlich rot.» Ich nicke, krame mein Portemonnaie aus dem Rucksack, in der Erwartung, dass sie mir bald Augentropfen oder Ähnliches verkaufen wird. «Sie sollten das auf dem Notfall einem Arzt zeigen.» Wie bitte? Ich stelle mir vor, wie ich in den Notfall spaziere. Wie ich warte. Und warte. Und weiter warte. Während im Hintergrund Leben gerettet werden.

«Ich gehe nicht wegen eines roten Auges auf den Notfall», sage ich. Der Apotheker kommt dazu. Mein Auge sei entzündet, sagt er. Ein Arzt könne mir ein Antibiotikum verschreiben, er dürfe mir das ohne Rezept nicht abgeben. «Ich gehe nicht wegen eines roten Auges auf den Notfall», wiederhole ich und verspreche, dass ich am nächsten Tag, wenn es nicht besser wird, meinen Hausarzt anrufe.

Während ich mit Augentropfen und ohne Antibiotikum die Apotheke verlasse, frage ich mich, ob es nicht sinnvoll wäre, den Apothekern, die ja keine Laien sind, ein bisschen mehr Macht zu geben. In anderen Ländern hätte ich das Antibiotikum wohl im Supermarkt kaufen können. In der Schweiz hingegen hätte ich den halben Sonntag im Notfall gewartet und mit meinem «Boboli» die Gesundheitskosten in die Höhe getrieben.