Fahrländer
Hassen Gymi-Lehrer Veränderung?

Hans Fahrländer
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Es war wieder einmal ein Schulbeispiel dafür, wie zurückhaltend im sympathischen Aargau Jour-nalismus betrieben wird und wie bissig in der nahen Weltstadt Zürich. Diesmal ging es ums Thema: Sind Mittelschullehrer derart konservativ, dass ihretwegen keine Gymnasiumsreform möglich ist?

Im letzten Herbst wurde an dieser Stelle, beim Unterrichtsmodell 2019+, vorsichtig und im Konjunktiv die Frage erörtert, ob die von den Rektoren vorgeschlagene Reform auch am Widerstand der Lehrerschaft gescheitert sei, weil Fächerfürsten nichts von ihrem Königreich hergeben wollten. Jüngst publizierte nun die «NZZ am Sonntag» einen Schwerpunkt unter dem Titel «Schweizer Gymnasiasten lernen das Falsche».

Hans Fahrländer war Chefredaktor der Aargauer Zeitung und schreibt über Aargauer Politik. hans.fahrlaender@azmedien.ch

Da tönte es wesentlich ungnädiger: «Jede Reform, mit der die Lehrer nicht einverstanden sind und bei der sie nicht mitreden können, wird an ihrem Widerstand scheitern.» Unter anderen wird der Zürcher Pädagogikprofessor Franz Eberle zitiert. «Ein Grund für die Trägheit des gymnasialen Systems sieht Eberle bei der Lehrerschaft (ja, auch Elite-Zeitungen haben heute Mühe mit dem Akkusativ). Beim Einstieg in den Lehrerberuf würde viele so unterrichten (schon wieder ein Fehler, war der Autor nie im Gymnasium?!), wie sie es selbst in ihrer Mittelschulzeit erlebt hätten.»

Ein Totalverriss also. Sind Mittelschullehrer wirklich so reformresistent? Ich meine: Es ist wie bei allen Berufen, es gibt sie nicht als monochrome Kohorte, sondern nur in ihrer Vielfalt. Sicher gibt es die Exemplare, die dauernd die Ausreden «Das haben wir noch nie so gemacht» und «Das haben wir schon immer so gemacht» vor sich hertragen. Es gibt aber auch das Gegenteil. Die Schweizer Gymnasiumslandschaft ist ja äusserst bunt und vielfältig, eine Folge der wenigen zentralen Vorgaben. So gibt es Schulen, die ihren Mitbewerbern punkto Innovationskraft weit davoneilen. Es sind eigentliche Hotspots der Experimentierfreude. Und wer sind die Treiber der Innovationen? Richtig, die Lehrerinnen und Lehrer.

Wie dem auch sei. Im Aargau wird das Unterrichtsmodell 2019+ nicht kommen. Jedenfalls nicht so, wie es die Rektoren im letzten Herbst vorgeschlagen haben. Hätten sie die Lehrerschaft von Anfang an auf ihrem Reformweg mitgenommen, wäre der Totalabsturz wohl vermeidbar gewesen. Nun ist erst mal Pause. Frühestens im Herbst sollen neue Projekte mit weiter geöffnetem Fächer und unter Einbezug der Lehrerschaft lanciert werden. Der Sparauftrag für das Jahr 2018 und die folgenden aber bleibt natürlich bestehen. Ist er niederschwellig realisierbar? Oder droht neue Aufregung? Affaire à suivre.