Flüchtlinge
Gutfühl-Parolen für die Asylpolitik

Bei grossen Problemen sind Politiker besonders schnell mit vermeintlich einfachen Lösungsvorschlägen zur Stelle. Ausser sie müssen sie selber umsetzen. Die grüne Regierungsrätin Susanne Hochuli kann ein Lied davon singen.

Rolf Cavalli
Rolf Cavalli
Drucken
Teilen
Gerettete Flüchtlinge auf einem Boot der Küstenwache (Archiv)

Gerettete Flüchtlinge auf einem Boot der Küstenwache (Archiv)

Hunderttausend Flüchtlinge aufnehmen. Sofort. Das forderte der grüne Nationalrat Balthasar Glättli in den Tagen, als einmal mehr Hunderte Menschen bei der Flucht übers Mittelmeer kenterten und ertranken. Wer wollte dem noblen Ansinnen im Moment der Betroffenheit widersprechen, ohne als herzlose Gestalt dazustehen?

Ausgerechnet die grüne Regierungsrätin Susanne Hochuli stellt nun – mit etwas zeitlichem Abstand – das moralische Postulat ihres Parteikollegen infrage. Sie wolle nicht mitmachen im «Wettbewerb über Forderungen, wie viele Flüchtlinge die Schweiz aufnehmen soll», schrieb sie in ihrer «SonntagsZeitungs»-Kolumne. Denn wer A sage, müsse auch B sagen. Ihre Botschaft: Menschen aufnehmen und unterbringen ist schon schwer genug. Fremde Menschen dann integrieren noch viel schwerer.

Hochuli weiss, wovon sie spricht. Als Departementsvorsteherin muss sie immer wieder von Neuem Plätze für ankommende Asylbewerber organisieren, deren Betreuung sicherstellen und gleichzeitig lokale Behörden wie Anwohner für eine vernünftige Zusammenarbeit im Asylwesen gewinnen.

Genauso wenig zielbringend wie die Wahlkampf-Parolen von rechts, möglichst die Grenzen dichtzumachen, sind die Gutfühl-Aufrufe von links, möglichst viele Asylsuchende aufzunehmen. Wohltuend ist da der Pilotversuch der Flüchtlingshilfe, Flüchtlinge bei Familien unterzubringen. Das ist zwar nur ein kleiner Beitrag und löst das Asylproblem noch nicht. Aber es sind wenigstens Taten. Politikerphrasen mit Profilierungsdrang hören wir noch genug.