Sprachriff
Grüsel-Politik und Grüsel-Journalismus

Heimito Nollé
Heimito Nollé
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Trump in Wrestlermanier

Trump in Wrestlermanier

Twitter

Wieder einmal hat Donald Trump klargemacht, was er von den Medien hält: Auf Twitter postete der amerikanische Präsident ein Video, auf dem er in Wrestlermanier auf einen Mann mit dem Logo des Nachrichtensenders CNN einschlägt. Der Hass zwischen Trump und den Medien hat längst Züge eines Freefights angenommen, bei dem sich beide Parteien immer weniger um Regeln kümmern. Was zählt, ist der Schlag unter die Gürtellinie.

Auch hierzulande lassen sich Medien allzu oft auf den stil- und regellosen Infight mit dem Präsidenten ein. In einem Artikel mit dem Titel «Parade der Grüsel» führt der «Tages-Anzeiger» Trump, Kushner & Co. als widerliche «creeps» vor, «potenzielle Triebtäter» mit «Pizzagesichtern», die man besser nicht «zu nahe an Kinderspielplätze heranlassen sollte».

Unter einem Bild vom Papstbesuch des Präsidenten steht: «Schwer zu sagen, wer den gruseligsten Schauer auslöst. Ist es Trumps Grinsen? Oder doch Jared Kushners geisterhaft leerer Blick?» Schwer zu sagen, was gruseliger ist: Trumps Hasstiraden auf Twitter oder ein Journalismus, der selbst schon so weit trumpisiert ist, dass er auf Analyse verzichtet und sich damit begnügt, auf übelste Weise herabzusetzen und seine Aversion an Äusserlichkeiten festzumachen. Bleibt zu hoffen, dass in gut drei Jahren beide ihr Ende finden: Grüsel-Politik und Grüsel-Journalismus.

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