Kommentar
Granit Xhaka heuchelt sich ins Abseits

Granit Xhaka sorgt mit einem offenen Instagram-Brief an die Nati des Kosovos für Wirbel. Xhaka schreibt, er sei interessiert gewesen abzuklären, ob er für Kosovo spielen dürfe oder nicht. Er tut dies nicht aus böser Absicht, sondern aus Verzweiflung.

François Schmid-Bechtel
François Schmid-Bechtel
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Steht im Moment zwischen den Fronten: Granit Xhaka.

Steht im Moment zwischen den Fronten: Granit Xhaka.

KEYSTONE/DOMINIC STEINMANN

Gewiss musste Granit Xhaka viel aushalten, seit der Kosovo Mitte Mai von der Fifa als vollwertiges Mitglied aufgenommen worden ist. Xhaka selbst spricht davon, dass er und seine Familie massiv bedrängt worden seien. Kosovarische Medien haben die Frage nach der Wahl des Nationalteams zur Staatsaffäre hochstilisiert. Verständlich, dass Xhaka zu einem Befreiungsschlag ansetzt. Nur entpuppt sich sein Brief, der an die Kosovaren gerichtet ist, als Eigentor.

Xhaka schreibt, er sei interessiert gewesen abzuklären, ob er für Kosovo spielen dürfe oder nicht. Weiter: Die Fifa habe festgelegt, dass EM-Teilnehmer das Land nicht mehr wechseln könnten. Sein Traum sei es gewesen, für den Kosovo aufzulaufen. Dann greift er ziemlich tief in die Rosamunde-Pilcher-Tüte, schreibt von den wunderbaren Schweizern, «die uns alles gegeben» und mit «offenen Armen empfangen haben». Schliesslich verstrickt er sich in den Widerspruch, dass er die Schweiz nicht verraten wolle. Ja, was nun?

Darum ist Xhaka unglaubwürdig

Xhaka will es allen recht machen und macht sich dadurch nur noch mehr Feinde. Er heuchelt und schwindelt und verkauft so die Menschen für dumm. Und er offenbart eine feige Seite. Statt selbst Verantwortung für seine Entscheidung zu übernehmen, schiebt er den schwarzen Peter der Fifa zu. Denn diese hat nie kommuniziert, dass EM-Teilnehmer keinen Nationenwechsel vornehmen dürften. Stattdessen heisst es, jeder Antrag auf einen Nationenwechsel werde in der Causa Kosovo individuell geprüft. Ob Xhaka überhaupt einen Antrag gestellt hat, ist fraglich.

Xhaka ist unglaubwürdig, wenn er vom «Traum, für den Kosovo zu spielen» schreibt. Schliesslich hat er vier Tage, nachdem die Fifa den Kosovo aufgenommen hat, in einem «Blick»-Interview gesagt: «Die Kosovo-Nati war nie ein Thema. Ich habe mich für die Schweiz entschieden, dabei bleibt es.»

Trotzdem sollte man über Granit Xhaka nicht den Stab brechen. Weder hier noch im Kosovo. Er heuchelt und schwindelt. Doch er tut dies nicht aus böser Absicht, sondern aus Verzweiflung. Also legen wir die Geschichte unter Jugendsünden ab.