Kommentar
Gallati steckt in der Zahlenfalle

Bisher hat sich der Aargauer Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati bei seinem Krisenmanagement stark auf Berechnungen und Szenarien verlassen. Doch nun wird ein Entscheid, der auf Zahlen beruht, zum Problem.

Fabian Hägler
Fabian Hägler
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Jean-Pierre Gallati.

Jean-Pierre Gallati.

Claudio Thoma

Als der SVP-Regierungsrat kurz vor Weihnachten 2020 entschied, die Läden wieder zu schliessen, verwies er auf Zahlen. Innerhalb von kurzer Zeit drohe die Überlastung des Aargauer Gesundheitssystems – das hatten seine Experten berechnet und die Spitalchefs in Aarau und Baden bestätigt.

Gallati liess sich von der heftigen Kritik aus seiner Partei nicht beirren und zog die Ladenschliessung trotz massiven Gegenwinds durch. Auch im Frühling, als zwei SVP-Grossrätinnen und mehr als 3000 Personen in einer Petition die Aufhebung der Maskenpflicht an den Schulen forderten, ging Gallati nicht darauf ein. Ihm war klar, dass sich das Virus unter den ungeimpften Kindern und Jugendlichen rasch verbreiten und die Zahlen in die Höhe treiben würde.

Kürzlich sagte SVP-Aargau-Präsident Andreas Glarner, ein Regierungsrat sei nicht total auf Parteilinie. Das trifft für Gallati zu, der von anderen Parteien in der Krise oft mehr Lob erhielt. Doch nun wird ein Entscheid, der auf Zahlen und seiner politischen Haltung beruht, zum Problem. Im Stil eines rechtsbürgerlichen Sparpolitikers baute Gallati beim Contact Tracing viele Stellen ab. Man könne nicht Dutzende von Leuten beschäftigen, die nichts zu tun hätten, sagte er. Das traf Mitte Juli zu, doch jetzt fehlen die Contact Tracer, um die vielen neuen Fälle zu bearbeiten. Die Zahl von fast 500 pendenten positiven Fällen kann Gallati nicht gefallen.

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