Analyse
Früher oder später wird doch fusioniert

Seit 2011 diskutieren die Gemeinden Spreitenbach und Killwangen über eine Fusion. Im Dezember lehnte Killwangen die Fusion an der Gemeindeversammlung ab. Gegen den Entscheid wurde aber das Referendum ergriffen. Über wird am Sonntag an der Urne entschieden. Eine Analyse.

Dieter Minder
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Am Sonntag wird in Killwangen über die Fusion mit Spreitenbach abgestimmt

Am Sonntag wird in Killwangen über die Fusion mit Spreitenbach abgestimmt

Walter Schwager

Anfang Mai 2011 vereinbarten die Gemeindeammänner Alois Greber aus Killwangen und Josef Bütler aus Spreitenbach mit einem Handschlag auf der Gemeindegrenze, Gespräche über eine gemeinsame Zukunft zu diskutieren. Ihr Ziel war es, detailliert abzuklären, ob es zusätzliche Berührungspunkte geben könne. Jetzt, rund fünf Jahre später, sind sich die beiden Gemeinden nicht wie erhofft näher gekommen, sondern haben sich auseinandergelebt. Nicht das Gemeinsame, sondern das Trennende wurde betont.

Anfangs ergriff die Euphorie nicht nur die Politikerinnen und Politiker, sondern auch die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger. Die Gemeindeversammlungen genehmigten im Juni 2012 die notwendigen Kredite. Noch im selben Monat wurde die Projektorganisation aufgebaut. Eine mögliche Fusion der beiden Gemeinden schien zum Greifen nahe. Die zehn Facharbeitsgruppen begannen mit intensiven Abklärungen. Vor- und Nachteile wurden untersucht. Von deren Tätigkeit drang jedoch sehr wenig an die Öffentlichkeit. Wer nachfragte, wurde auf unbestimmte Zeit vertröstet. Die Konsequenz: Es machte sich allmählich Desinteresse breit.

Zwar hofften die Spitzen der Projektleitung immer wieder auf intensive Gespräche in der Bevölkerung. Zu diskutieren gab es aber nichts, denn die Teilprojekte der Facharbeitsgruppen blieben weitgehend unter Verschluss. Als sich wegen mangelnder Vergleichbarkeit der Rechnungen der ursprüngliche Fahrplan um fast ein Jahr verzögerte, nahm das Interesse noch weiter ab. Es kam zu Zweifeln, ob der Kompatibilität der beiden Gemeinden. Enttäuschend waren dann die Ergebnisse der Facharbeitsgruppen. Die meisten Punkte zeigten keine Perspektiven auf, beziehungsweise enthielten keine Empfehlung: Sie sahen keinerlei oder nur geringe Vorteile in einer Fusion. Es schien, als hätte sich das Thema überlebt. Vor allem in Killwangen begann sich die Angst breitzumachen, es komme zu einer Übernahme statt zu einer Fusion. Da war es letztlich nicht mehr überraschend, dass bei der Präsentation des Projektes, im September 2015, die Meinungen der Gemeinden diametral auseinandergingen. Der Spreitenbacher Gemeinderat sprach sich für die Ausarbeitung eines Fusionsvertrages aus, der Killwanger Gemeinderat war strikt dagegen. Die Gemeindeversammlungen sind ihren Regierungen gefolgt. In Killwangen wurde dagegen das Referendum ergriffen. Am Sonntag wird an der Urne nun abgestimmt. Der Gemeinderat will das Projekt abschliessen und derzeit nicht weiter verfolgen.

Die Ursachen für den Meinungswandel der Behörden sind nur schwer nachzuvollziehen. Von amtlicher Seite wird auf das Amtsgeheimnis verwiesen. Was trotzdem nach aussen dringt, lässt auf gravierende Differenzen hinter den Kulissen schliessen. Je länger sich das Projekt verzögerte, desto weniger Sachliches drang an die Öffentlichkeit. Es entstand der Eindruck, die führenden Köpfe seien nicht mehr konsensfähig. Von gegenseitigen Vorwürfen wurde getuschelt, natürlich immer unbestätigt. Ein Problem, diejenigen, die das Projekt angestossen haben sind nicht mehr dabei: Josef Bütler und Alois Greber sind vor Jahren aus ihren Ämtern geschieden.

Das Fusionsprojekt hat sich eindeutig in die falsche Richtung entwickelt. Allein schon die Tatsache, dass die Befürworter des Fusionsvertrages praktisch nicht mehr in Erscheinung treten, lässt auf Desinteresse schliessen. In Killwangen scheinen die Befürworter angesichts des Widerstandes ihres Gemeinderates resigniert zu haben. Deshalb ist es wohl richtig, die ganze Übung jetzt abzubrechen: Schade.

Momentan sind Killwangen und Spreitenbach so etwas wie verkrachte Geschwister. Doch spätestens am Montag muss der Wiederannäherungsprozess beginnen. Dieser dürfte, wie selbst die Gegner einer Fusion immer wieder betont haben, später in einem grösseren Zusammenschluss der Gemeinden im Aargauer Limmattal enden.