Fahrländer
Freud und Leid in und um Baden

Der Verein «Traktandum 1» will in der Region Baden-Wettingen eine geeinte und starke Region - langfristig befürwortet er Gemeindefusionen. Was soll man davon halten? Die Kolumne az-Autor Hans Fahrländer.

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Blick über Baden und Umgebung: Der neue Verein «Traktandum 1» will das Gebiet zu einer Regionalstadt vereinen. (Archiv)

Blick über Baden und Umgebung: Der neue Verein «Traktandum 1» will das Gebiet zu einer Regionalstadt vereinen. (Archiv)

Emanuel Freudiger

Diese Woche hat auf der Klosterhalbinsel in Wettingen der Auftaktanlass eines Vereins «Traktandum 1» stattgefunden. Hinter dem Namen steht eine Gruppierung jüngerer und älterer Menschen aus der Region Baden-Wettingen; etliche von ihnen haben ein politisches Amt inne.

An die Spitze ihrer Traktandenliste setzen sie «eine geeinte, starke Region». Der Weg dazu soll «über Kooperationen und längerfristig zum Zusammenschluss von Gemeinden» führen. Es ist, seit der initialen Idee vor 50 Jahren, nicht der erste Anlauf für eine Regionalstadt, welche in der Schweiz in einer höheren Liga mitspielen kann als heute.

Aber der neue Verein verdient Chancen. Er ist über Gemeinde- und Parteigrenzen hinweg breit aufgestellt, und in seinem Vorstand sitzen einige Macher, die nicht dafür bekannt sind, schnell wieder von einer Idee abzurücken.

Gleich am nächsten Tag dann das Anti-Signal: Im Verhältnis von 6 zu 1 hat die Gemeindeversammlung von Ennetbaden entschieden, das Thema eines Zusammenschlusses mit Baden und allenfalls weiteren Gemeinden auf Eis zu legen. Noch vor einem Jahr hatte der Souverän dem Gemeinderat den Auftrag erteilt, solche Gespräche voranzutreiben.

Der Gemeindeammann beeilte sich zwar, zu betonen, «nicht nur die politische Situation in Baden» sei schuld am Sinneswandel. Aber was, bitte, hat sich denn innert eines Jahres derart verändert – ausser der politischen Situation in Baden?

Ja, die politische Situation in Baden! Seit Monaten wird in der ehemals weltoffenen Stadt an allen Ecken getuschelt, aber kaum offen debattiert. Seit der Affäre Geri Müller ist Baden zweigeteilt: Die Linke betont ständig, wie gut ihr Ammann agiere und wie fies die Angriffe gegen ihn seien, nur wegen dieser privaten Nackt-Selfies.

Die bürgerliche Opposition reagiert schwächlich darauf, sie scheint völlig paralysiert. Warum eigentlich? Okay, lassen wir mal diese Nackt-Selfies – aber bitte, Politik muss doch ausgekämpft werden!

Vor einer Woche hat das «Badener Tagblatt» die Dinge beim Namen genannt: «Baden, erwache endlich!», so der Notruf. Das wirkte wie ein Befreiungsschlag. Das Getuschel wird lauter, vielleicht haben wir schon bald wieder eine offene Debatte.