Kommentar
Fressen oder gefressen werden

Andreas Möckli
Andreas Möckli
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Der Chemiekonzern Clariant schliesst sich mit der US-amerikanischen Chemiegruppe Huntsman zusammen.

Der Chemiekonzern Clariant schliesst sich mit der US-amerikanischen Chemiegruppe Huntsman zusammen.

Keystone/GEORGIOS KEFALAS

Clariant ergreift die Flucht nach vorne. Der Spezialchemiekonzern fusioniert mit dem US-Konkurrenten Huntsman und rückt damit zur Nummer 2 der Branche auf. Clariant sah sich selber zwar nie als Übernahmekandidaten, wurde aber immer wieder als mögliches Kaufobjekt genannt. Dies hat einerseits mit der Grösse der Firma zu tun, Clariant befand sich bislang im oberen Mittelfeld des Sektors. Zum anderen hat sich das Unternehmen von seiner schweren Krise Ende der Nullerjahre erholt und befindet sich nicht zuletzt dank den Aufräumarbeiten von Konzernchef Hariolf Kottmann in guter Verfassung.

Clariant stand deshalb vor der Frage,
gefressen oder selber aktiv zu werden. Nun hat sich die Firma für eine Fusion entschieden. Aus Schweizer Sicht erscheint dieser Weg allemal klüger, als von einem Konkurrenten geschluckt zu werden. Der Handlungsspielraum ist grösser, das Schicksal Clariants liegt so nicht einseitig bei einer ausländischen Firma, die sich möglicherweise wenig um Herkunft und Mitarbeiter schert.

Doch auch eine Fusion birgt Risiken. Viele scheitern, da unterschiedliche Geschäfte und Kulturen sich nur schwer unter einem Dach vereinen lassen. Selbst bei einem Zusammenschluss unter Gleichen behält meist eine Firma die Oberhand. Ob dies hier nun Clariant oder Huntsman sein wird, ist offen – aber nicht unwichtig, wenn es um die Zukunft des Standorts Schweiz geht.

Zudem bindet eine Fusion viel Zeit und Ressourcen, beides fehlt fürs Alltagsgeschäft und bietet der Konkurrenz Chancen. So stellt sich konkret die Frage, wie das fusionierte Konstrukt unter diesen Umständen in China seine Präsenz stark ausbauen kann. Denn dieses Ziel hat Kottmann kürzlich ausgerufen. Es ist fraglich, ob HuntsmanClariant die Herkulesaufgabe einer Fusion meistern und gleichzeitig den Fussabdruck in China vergrössern kann.

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