Meiereien
Frau Hochuli ist wütig

Susanne Hochuli schrieb in ihrer letzten Kolumne, sie sei «wütig» auf den «Wutbürger» Andreas Glarner, den SVP-Fraktionspräsidenten im Grossen Rat. Dass sie das altmodische Wort «wütig» verwendete und Glarner nicht beim Namen nannte, hat Methode.

Jörg Meier
Jörg Meier
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Susanne Hochuli: Was also als unverdächtige Kolumne daherkommt, entpuppt sich als feiner, raffinierter Gegenschlag in einer persönlichen Auseinandersetzung.

Susanne Hochuli: Was also als unverdächtige Kolumne daherkommt, entpuppt sich als feiner, raffinierter Gegenschlag in einer persönlichen Auseinandersetzung.

Alex Spichale

Das Wort «wütig» gilt als veraltet. Es hat sich aus dem mittelhochdeutschen «wuotic» entwickelt und bedeutet «voller Wut, wütend» und kommt kaum noch vor. Ausser in Wortzusammensetzungen wie «arbeitswütig» oder «tollwütig».

Wer «wütig» heute noch verwendet, ist entweder ziemlich altmodisch oder sprachlich nicht sehr gewandt – oder ziemlich clever. Letzteres trifft wohl für Susanne Hochuli zu. Sie sei «wütig», hat sie in ihrer jüngsten Kolumne in der «SonntagsZeitung» verlauten lassen, sie sei «wütig» auf den Wutbürger Andreas Glarner, weil dieser der Demokratie nicht guttue, sie geradezu auslauge.

Natürlich nennt Hochuli in ihrer Kolumne Glarner nicht namentlich. Sie schreibt lediglich vom «Fraktionschef der SVP im Grossen Rat». Auch das hat wohl Methode und ist fast schon perfid: Denn die Leser im Aargau wissen auch so, wer gemeint ist. Und den Lesern im Rest der Schweiz signalisiert die Regierungsrätin, dass es sich nicht lohne, den Namen dieses Wutbürgers zu kennen, da er letztlich nicht relevant sei. Den Namen des andern Mannes, der sie auch «wütig» macht, nennt sie hingegen schon: Roger Köppel.

So wird man den leisen Verdacht nicht los, Hochuli nutze die nationale Plattform auch, um einen aufsehenerregenden Konter gegen Glarner zu führen, der ja auch keineswegs zimperlich in seinen Angriffen gegen die Regierungsrätin ist.

Was also als unverdächtige Kolumne daherkommt, entpuppt sich als feiner, raffinierter Gegenschlag in einer persönlichen Auseinandersetzung. Und man wundert sich, dass die Aargauer Regierungsrätin in einer nationalen Zeitung mit Sitz in Zürich inneraargauische Animositäten ausbreitet.

Susanne Hochuli polarisiert also weiter. Die Kolumne und Hochulis praktisch gleichzeitig publizierter kleiner Erfolg vor Gericht gegen die «Weltwoche» inspirieren die allzeit kommentierende Internetgemeinde.

Höhepunkt in der Flut der Kommentare ist dieser ziemlich wütig geschriebene, atemberaubend absurde Kommentar, der nachstehend als unverändertes Original wiedergegeben wird: «Wie viele Juristentschobs müssen noch geschaffen werden für solche Pinuts?»