Kommentar
Frankreichs Parteienlandschaft ist ein Trümmerfeld

Stefan Brändle, Paris
Stefan Brändle, Paris
Merken
Drucken
Teilen
Tritt als Politikerin des Front National, der Partei ihrer Tante Marine Le Pen (auf dem Poster im Hintergrund), ab: die noch radikalere Marion Maréchal-Le Pen (in einer Aufnahme vom 11. April in Bayonne).

Tritt als Politikerin des Front National, der Partei ihrer Tante Marine Le Pen (auf dem Poster im Hintergrund), ab: die noch radikalere Marion Maréchal-Le Pen (in einer Aufnahme vom 11. April in Bayonne).

KEYSTONE/AP/BOB EDME

Frankreichs Parteienlandschaft ist ein Trümmerfeld. Die Sozialisten liquidieren sich gerade selbst, die Republikaner schlittern führungslos in die Parlamentswahlen von Juni, und nun erwischte es auch den Front National (FN). Der möglicherweise nur provisorische Rückzug von Marion Maréchal-Le Pen ist ein Pyrrhussieg für Parteichefin Marine Le Pen. Sie rettet damit ihren «sozialen» Wirtschaftskurs, verliert aber zweifellos viele Wähler, die wie ihre Nichte eine stramm rechte Linie wünschen. Marion Maréchal-Le Pen, beim Fussvolk des FN sehr beliebt, bildete zusammen mit ihrem Grossvater Jean-Marie Le Pen eine starke interne Opposition. Nun haben die Parteichefin und ihr Chefstratege Florian Philippot sie fürs Erste entfernt.

Die Auflösungserscheinungen in den französischen Parteien sind nicht nur durch den «Macron-Sog» bedingt, der die Pariser Politik erfasst hat. Sie zeugen vielmehr von unüberwindbaren ideologischen Gräben in der Europa- und Immigrationspolitik. Das gilt sowohl für die Sozialisten wie auch für die Republikaner und die Frontisten. Parteispaltungen stehen bevor, gefolgt von völlig neuen Allianzen. Frankreichs Politik steht vor der Stunde null. Wohin die Reise geht, weiss eigentlich niemand. Wohl auch nicht der 39-jährige Jungpräsident im Élysée-Palast.