Gastbeitrag
Fortschritt erzielt man nicht mit Verboten und ideologisierten Wunschvorstellungen

Eine schnell wachsende Erdbevölkerung sicher mit qualitativ hochstehenden Lebensmitteln zu versorgen und gleichzeitig Biodiversität und Klima zu schützen. Dieses Ziel ist ohne biologischen wie synthetischen Pflanzenschutz nicht erreichbar. Die Konsequenzen eines Verzichts auf Pestizide sind hingegen eindeutig.

Roman Mazzotta
Roman Mazzotta
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Ein Verzicht auf Pestizide, wie es die Initiativen, die am 13. Juni an die Urne kommen, vorsehen, schmälert den Ertrag in der landwirtschaftlichen Produktion um bis zu 40 Prozent.

Ein Verzicht auf Pestizide, wie es die Initiativen, die am 13. Juni an die Urne kommen, vorsehen, schmälert den Ertrag in der landwirtschaftlichen Produktion um bis zu 40 Prozent.

Keystone

Geht es um Nahrungsmittel, steht die Menschheit vor einer epochalen Herausforderung. Bei einer global stagnierenden landwirtschaftlich bebaubaren Fläche eine schnell wachsende Erdbevölkerung sicher mit qualitativ hochstehenden Lebensmitteln zu versorgen und gleichzeitig Biodiversität und Klima zu schützen. Dieses Ziel ist ohne biologischen wie synthetischen Pflanzenschutz nicht zu erreichen. Nutzpflanzen sind stets vom Schädlingsbefall bedroht und Globalisierung und Klimawandel bringen neue Krankheiten und Schädlinge in landwirtschaftliche Kulturen.

Zur Person

Roman Mazzotta ist Präsident von Syngenta Schweiz
Zvg / Aargauer Zeitung

Roman Mazzotta ist Präsident von Syngenta Schweiz

Ein Verzicht auf Pestizide, wie es die Initiativen, die am 13. Juni an die Urne kommen, vorsehen, schmälert den Ertrag in der landwirtschaftlichen Produktion um bis zu 40 Prozent. Dies gilt für den konventionellen Anbau und für den Biolandbau, denn beide setzen Pestizide zum Schutz der Kulturen ein. Die Konsequenzen eines Verzichts sind eindeutig: weniger regionale Produkte, höhere Preise, und mehr Importe. Dies ist weder im Interesse der Konsumenten, noch im Interesse der Umwelt.

150 Prozent mehr Nahrungsmittelproduktion als noch 1960 – unter anderem dank Pflanzenschutzmitteln

Fortschritt erzielt man nicht mit Verboten und ideologisierten Wunschvorstellungen, sondern mit wissenschaftlicher Forschung und neuen Technologien. Dazu trägt Syngenta mit weltweit mehreren tausend Wissenschaftlern in Forschung und Entwicklung bei, davon arbeiten rund 500 im Kanton Aargau. In Stein befindet sich eines von drei Kompetenzzentren von Syngenta für Pflanzenschutzforschung und in Münchwilen entstehen die Herstellungsverfahren sämtlicher Pflanzenschutzmittel weltweit.

Der wissenschaftliche Fortschritt von forschenden Unternehmen wie Syngenta hat dazu geführt, dass moderne Pflanzenschutzmittel im Vergleich zu früher nur noch in Kleinstmengen versprüht werden müssen, um den gewünschten Schutz der Ernte zu erzeugen. So produziert die Welt heute im Vergleich zu 1960 um 150 Prozent mehr Nahrungsmittel, beansprucht aber nur 13 Prozent mehr Land – das auch dank dem Einsatz von immer sichereren und effektiveren Pflanzenschutzmitteln.

Seit der Beschwerde von Syngenta wurde viel geschrieben – vieles davon war falsch

Innovation ist auf ein verlässliches regulatorisches Umfeld angewiesen. Hier kommen Entscheide zu Chlorothalonil ins Spiel. Die Experten des Bundes haben Ende 2019 bestätigt, dass die jetzt thematisierten Abbauprodukte von Chlorothalonil nicht relevant seien. Wenige Wochen später ignorierten die Behörden die eigene Expertenmeinung, ohne dass sich an den wissenschaftlichen Erkenntnissen etwas geändert hat. Gegen diesen nicht nachvollziehbaren Entscheid hat Syngenta beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde eingereicht.

Seither wurde viel geschrieben über die Beschwerde, über Chlorothalonil und dessen Abbaustoffe. Vieles davon war falsch. Bei der Beschwerde geht es um nur das Vorgehen der Behörden und nicht um das Produkt selbst. Es wurden keine Grenzwerte aufgehoben und das Trinkwasser muss weiterhin die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen. Die Zwischenentscheide des Gerichts sind allen zugänglich und die Fakten sind darin klar aufgeführt. Entscheidungen müssen auf Fakten basieren – das gilt für Behörden wie auch für forschende Unternehmen. Nur so ist Innovation auch in Zukunft möglich.