Kommentar
Flüchtlinge umgehen die Schweiz

Im Januar sind weniger Asylsuchende in die Schweiz gekommen als noch im Dezember. Es gibt zwei Gründe, wieso die Flüchtlinge nicht hierher kommen. Der Kommentar.

Daniel Fuchs
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Flüchtlinge in der Empfangsstelle in Chiasso. (Archiv)

Flüchtlinge in der Empfangsstelle in Chiasso. (Archiv)

Keystone

Die Zahl der Asylbewerber fiel zu Jahresbeginn deutlich unter das Niveau der vergangenen Monate. Im Dezember baten über 4800 Menschen in der Schweiz um Asyl, im Januar waren es noch rund 3600 Gesuche. Entspannung ist trotzdem nicht in Sicht. Denn die 3600 Gesuche stellen die 1600 des Januars vor einem Jahr deutlich in den Schatten. Und 2015 war ein Rekordjahr.

Niemand weiss, wie sich die Flüchtlingskrise, in der ganz Europa steckt, weiterentwickelt. Klar ist nur: Obwohl die Schweiz mittendrin liegt, trifft sie die Krise bisher weniger als ihre Nachbarländer Österreich und Deutschland. Noch wird sie von vielen Flüchtlingen umgangen, was zwei Gründe haben könnte.

Der erste liegt in der Geografie: Das Land steht etwas abseits von der Hauptroute der Flüchtlinge über den Balkan Richtung Norden.

Zweiter Grund: Die Schweiz hat ihre Asylgesetze längst verschärft und taucht auf der Attraktivitätsskala der Flüchtlinge gar nicht so weit oben auf. Beruhigend ist das keineswegs: Mit der wärmeren Jahreszeit werden die Flüchtlingszahlen wieder ansteigen.

Es ist gut möglich, dass die Transitländer in Osteuropa den Menschenstrom über den Balkan ins Stocken bringen und die Flüchtlinge wieder vermehrt via Italien und die Schweiz einen Weg suchen.

Zudem mischen unsere Nachbarn im Wettbewerb um möglichst unattraktive Bedingungen für Flüchtlinge längst kräftig mit. So unsicher die Perspektiven, so klar kann eigentlich nur das Fazit sein: Die Schweiz muss mit Europa zusammenarbeiten. Auch dahingehend, den Krieg in Syrien und Irak zu beenden.