Eine Polemik
Farben statt Noten: Schulen auf der Suche nach dem Heiligen Gral

Yannick Nock
Yannick Nock
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Zeugnisse lösen Freud und Leid aus. Kantone suchen nach Alternativen.

Zeugnisse lösen Freud und Leid aus. Kantone suchen nach Alternativen.

Hanspeter Bärtschi

Ach, die Zeugnisse. Freud und Leid, verteilt auf wenigen Spalten. Links das Fach, rechts die Note. Simpel, spannend und irgendwie gerecht. Obwohl das Zeugnisheft Jahrzehnte später meist nur verstaubt in einer Kiste liegt, löst es noch immer Freud und Leid aus – heute allerdings in den Kantonsregierungen.

Die Stadt St. Gallen strich vor einem Jahr die halben Noten in der zweiten Primarklasse und verteilte nur noch Ganze. Wie das SRF berichtet, hat die Stadt diesen Entscheid nun wieder zurückgenommen, weil das Kantonsparlament intervenierte. Aus der halbgaren Idee, die Halbnoten abzuschaffen, bleibt nicht mehr als der nächste gescheiterte Versuch.

St. Gallen ist wohl der Kanton, der sich am meisten bemüht, den Heiligen Gral der Schule zu finden: Ein Zeugnis, das alle zufriedenstellt. Neben nachvollziehbaren Ideen, wie die Note 1 und 2 auf tiefer Stufe zu streichen, gab es zuletzt eine besonders bizarre. Eine Primarschule in St. Gallen ersetzte die Noten halbjährlich durch Farben. Ja, richtig gelesen, Farben. Sie sollen die verschiedenen Wachstumsstufen einer Blume darstellen. Braun, Grün, Orange, Gelb. In der Reihenfolge. Prinzip begriffen?

Was kommt als Nächstes? Zahlen? Ah, nein, die gibt es ja schon und sind viel zu verständlich.