Fahrländer
Napoleon, der Machtwillige und Nappoleon, der Schöpfer – und was das mit dem Aargau zu tun hat

Napoleon, dessen Todestag sich diese Woche zum 200. Mal jährte, hat nicht gerade den besten Ruf. Sein auf Erfolgen der «Grande Armée» fussender Expansionsdrang führte schliesslich zu seinem Untergang. Indessen, es gab auch einen anderen Napoleon: den Schöpfer eines modernen Verwaltungs- und Zivilrechts,

Hans Fahrländer
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Vor allem verdanken wir Napoleon das Ende unseres Untertanenstatus.

Vor allem verdanken wir Napoleon das Ende unseres Untertanenstatus.

EPA/Keystone

Napoleon, dessen Todestag sich diese Woche zum 200. Mal jährte, hat nicht gerade den besten Ruf. Er wurde schon mit Hitler verglichen: fast ganz Europa unterjocht, ein gescheiterter Russlandfeldzug als Anfang vom Ende. Der Korse, der sich 1804 die Kaiserkrone selber aufsetzte, war von unbändigem Macht- und Gestaltungswillen getrieben. Sein auf Erfolgen der «Grande Armée» fussender Expansionsdrang führte schliesslich zu seinem Untergang: Er konnte den Hals nicht vollkriegen und einte mit seinem Hegemonialstreben seine Gegner.

Indessen, es gab auch einen anderen Napoleon: den Schöpfer eines modernen Verwaltungs- und Zivilrechts (code civil) – und den gewieften Strategen, der bei seinen Eingriffen allerdings stets die Interessen Frankreichs ins Zentrum stellte. Damit sind wir beim Aargau angelangt. Der Aargau verdankt seine Gründung und heutige Gestalt tatsächlich Napoleon. Passiert ist das Ganze an der Helvetischen Konsulta, welche vom Dezember 1802 bis zum Februar 1803 unter Leitung Napoleons in Paris tagte. Es war eine Versammlung von Deputierten aus der Helvetischen Republik, welche die Mediationsakte, eine neue Verfassung für die Schweiz und ihre Kantone, ausarbeitete.

Aus dem Aargau in Paris ver­treten waren etwa der helvetische Minister Philipp Albert Stapfer, Johann Rudolf Meyer von Aarau, Gottlieb Heinrich Hünerwadel von Lenzburg, Johann Baptist Jehle von Olsberg, Albrecht Rengger von Gebenstorf, Heinrich Johann Weber von Bremgarten oder Abraham Welti von Zurzach. Die Konsulta beendete die Kurzzeitexistenz der Kantone Baden und Fricktal und fügte aus dem bernischen Unteraargau, den Gemeinen Herrschaften Baden und Freiamt sowie dem österreichischen Fricktal einen neuen Kanton zusammen, der zwar nicht gerade als Willenskanton bezeichnet werden konnte, der aber immerhin bis heute Bestand hat.

Vor allem verdanken wir Napoleon das Ende unseres Untertanenstatus. In der neuen Schweiz gab es nur noch gleichberechtigte Kantone. Neben die 13 alten Orte traten die neuen Kantone St.Gallen, Graubünden, Aargau, Thurgau, Tessin und Waadt. Napoleons Kalkül: Er duldete keine mächtigen Nachbarn an seiner Ostgrenze. So mussten die Berner schäumend ihre aargauischen und waadtländischen Gebiete abtreten.