Kommentar
Europa muss aufwachen

Google und Co. dominieren die Weltwirtschaft - Europa ist bei den technologischen Umwälzungen bislang nicht vorne mit dabei.

Markus Grabitz
Markus Grabitz
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Google ist ein grosser Player in der Weltwirtschaft; nun mischen sie auch im Smartphone-Markt mit. key

Google ist ein grosser Player in der Weltwirtschaft; nun mischen sie auch im Smartphone-Markt mit. key

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Es dauert, bis sich der Kopf umstellt. Zu vertraut sind uns die grossen Namen des Industriezeitalters: General Electric, Siemens, Boeing. Sie haben über Jahrzehnte in der Weltwirtschaft das Sagen gehabt und das Leben von Menschen auf allen Kontinenten mitbestimmt. Fahrlässig wäre es zu meinen, dass die Unternehmen mit diesen klangvollen Namen auch in den nächsten Jahrzehnten so wichtig bleiben.

Wer hat es gemerkt, dass sich die Superstars der Internet-Wirtschaft längst bei den realen Unternehmenskennzahlen nach vorn geschoben haben? Die Apples, Googles, Facebooks dieser Welt sind schon mehr wert als die grossen Autohersteller und Mischkonzerne.

Gut möglich, dass es wieder eine dieser Übertreibungen der Börsenmakler ist und eine Blase bald platzt. Wahrscheinlich ist es nicht. Die an eine Revolution erinnernden kulturellen Umwälzungen, die die Internetkonzerne per Smartphone in die entferntesten Gegenden unseres Planeten bringen, legen etwas anderes nahe. Es ist höchste Zeit, sich für die durchaus eigenen Gesetze der Internet-Ökonomie zu interessieren.

Und es spricht vieles dafür, dass sich in diesen Wochen, Monaten und Jahren die Spielregeln herausbilden, die dann für längere Zeit gelten. Europa ist bei den technologischen Umwälzungen bislang nicht vorne mit dabei. An der Spitze sind China und die Vereinigten Staaten. Talente gibt es aber auch im «alten Europa». Jetzt müssen Politik und Gesellschaft dafür sorgen, dass sie hier stärker zum Zuge kommen und seltener abwandern.

wirtschaft@azmedien.ch