Kommentar
Etwas mehr Mut im Online-Zeitalter

Kaum eine Gemeindeverwaltung ist auf Facebook vertreten. Zu teuer, heisst es – und eventuell gefährlich.

Pascal Meier
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Eine Social-Media-Lawine begräbt zunehmend vor allem Jugenliche

Eine Social-Media-Lawine begräbt zunehmend vor allem Jugenliche

Keystone

Der Rücklauf war enttäuschend. Nur etwa ein Dutzend junge Boniswiler schickten 2011 die Anmeldung für die Jungbürgerfeier an die Gemeindeverwaltung zurück. Die anderen knapp 30 Jungbürger reagierten nicht. Gemeindepräsident Gérald Strub startete daraufhin ein Experiment: Er schickte den Jungbürgern die Einladung per Facebook: innert kürzester Zeit mel-deten sich 20 weitere Jungbürger an.

Das erstaunt nicht. Facebook ist heute ein wichtiges Kommunikationsmittel, das längst nicht nur von der jungen Generation genutzt wird. Dass kaum eine Gemeindeverwaltung im Aargau eine Facebook-Seite unterhält und so mit der Bevölkerung in Kontakt tritt, überrascht deshalb. Was noch mehr erstaunt: Beim aargauischen Gemeindeschreiberverband war Facebook noch nie ein Thema. Zu aufwendig, heisst es auf den Gemeindekanzleien. Wenn schon ein Facebook-Auftritt, dann professionell. Auch Unsicherheit ist spürbar: Man hat Angst, Diskussionen über Social Media könnten ausser Kontrolle geraten.

Das alles mag stimmen. Es macht wenig Sinn, wenn eine Gemeinde auf Facebook präsent ist und als letzter Eintrag Fotos von der 1.-August-Feier 2013 erscheinen. Es stimmt auch, dass der Aufwand gross ist, das ganze Gemeindeleben auf Facebook abzubilden. Das muss aber gar nicht sein. Warum nicht den Mittelweg wählen, sporadisch aktuelle News oder Fotos veröffentlichen und schauen, wie sich das Ganze entwickelt? Hier würde etwas mehr Mut und Initiative guttun. Sonst verlieren die Gemeinden irgendwann definitiv den Draht zu ihren Bürgern.

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