Studiengebühren
ETH schlägt auf: Ein sinnvoller Schritt, der aber nicht zur Regel werden darf

Yannick Nock
Yannick Nock
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An der ETH Zürich und der ETH Lausanne steigen die Studiengebühren um jährlich 500 Franken.

An der ETH Zürich und der ETH Lausanne steigen die Studiengebühren um jährlich 500 Franken.

KEYSTONE/WALTER BIERI

Die Entscheidung der ETH tut den Studenten weh, aber sie ist richtig. Wie der Hochschulrat diese Woche bekannt gegeben hat, werden die ETH Zürich und die ETH Lausanne die Studiengebühren erhöhen. 500 Franken mehr müssen die Studenten jährlich bezahlen. Was alle Verfechter von tiefen Studiengebühren und des «Jeder-muss-Bildung-bezahlen-können»-Ansatzes kurz aufschrecken lässt, erweist sich auf den zweiten Blick als sinnvoll.

Was viele nicht wissen: Studierende der ETH Zürich – der Schweizer Elite-Universität schlechthin – zahlen bisher weniger als alle anderen Studenten in der Deutschschweiz. Pro Jahr sind es bloss 1160 Franken. An den Universitäten St. Gallen (2850 Franken), Basel (1700), Luzern (1620 Franken), Bern (1570) und Zürich (1550) sind die Gebühren höher. Dabei kosten gerade geistes- und sozialwissenschaftliche Studiengänge deutlich weniger als die auf Technik angewiesenen Fachrichtungen der ETH. Zudem sind die Zukunftsaussichten der Absolventen rosig. Wer sucht in der Schweiz nicht nach einheimischen Fachkräften im Bereich der MINT-Fächer? Es geht in Ordnung, wenn ETH-Studenten gleich viel bezahlen wie andere angehende Akademiker.

Doch es wäre falsch, sollten künftig die nötigen finanziellen Mittel häufiger bei den Studenten eingefordert werden. Die tiefen Gebühren gehören zur DNA und zum Erfolg der ETH. Die Hochschule ist im weltweiten Vergleich eine Anomalie. Sie zählt zu den zehn besten Hochschulen der Welt, die Studiengebühren sind
im Vergleich aber tiefer als bei ausländischen Universitäten, die es nicht einmal in die Top 300 schaffen. Das beweist, dass aussergewöhnliche Bildung nicht auf der Überschuldung einer ganzen Generation basieren muss. Ein Dilemma, auf das derzeit die USA zusteuern.

Zwar stellt das Land mit Harvard, Stanford oder dem MIT die vielleicht besten Hochschulen der Welt. Aber die Studenten zahlen 40 000 Franken – pro Jahr. Noch Jahre später sind viele Absolventen überschuldet. Es ist nach der Immobilien-Krise die nächste Blase, die zu platzen droht. Die Schweizer Bildung darf von ihrem Grundsatz der bezahlbaren Bildung deshalb nicht abweichen. Billig und Elite: Das passt zusammen – und muss so bleiben.