Kuckuckskinder
Es kann vieles sein, was eigentlich nicht sein darf

Regula Laux über die Diskussion zur Anerkennung von ausserehelich gezeugten Kindern

Regula Laux
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Nicht die Gene zählen bei der Frage, wer der Papa ist: Das Bundesgericht hat im Streit um die Vaterschaft entschieden. (Symbolbild)

Nicht die Gene zählen bei der Frage, wer der Papa ist: Das Bundesgericht hat im Streit um die Vaterschaft entschieden. (Symbolbild)

KEYSTONE/GAETAN BALLY

«Es waren einmal ein Mann und eine Frau, die den heiligen Bund der Ehe eingingen. Sie versprachen sich ewige Treue bis dass der Tod sie scheide.

Doch eines Tages begegnete die Frau einem anderen und es entstand aus dieser Verbindung ein Kindlein, so fein wie Ebenholz. Der Kindsvater versprach, wie ihm schon durch seine Eltern angetragen, fortan für sein Kindlein da zu sein, es zu behüten und zu beschützen wie sein eigen Leib und Gut.

Doch dieser Wunsch blieb ihm verwehrt, denn der Ehemann der Kindsmutter gab es nicht frei, das Kindlein fein. Der Kindsvater aber wehrte sich, zog vor Gericht für sein Recht. Man wies ihn jedoch fort, denn: Was nicht sein darf, kann nicht sein!»

Regula Laux, Kommunikationsfrau Regula Laux führt zusammen mit ihrem Mann eine Kommunikationsagentur in Laufenburg, sie leitete viele Jahre das Rehmann-Museum und ist im Stiftungsrat von Pro Argovia.

Regula Laux, Kommunikationsfrau Regula Laux führt zusammen mit ihrem Mann eine Kommunikationsagentur in Laufenburg, sie leitete viele Jahre das Rehmann-Museum und ist im Stiftungsrat von Pro Argovia.

ZVG

Nein, kein Märchen aus vergangenen Zeiten, sondern datiert mit Januar 2018! Ein Mann, der Vater eines Kindes mit einer verheirateten Frau wurde, kämpfte um die Anerkennung seiner Vaterschaft. Zunächst vor dem Bezirksgericht Brugg, dann vor dem Obergericht des Kantons Aargau.

Nach zwei ablehnenden Bescheiden landete der Fall vor dem Bundesgericht in Lausanne. Doch auch hier blitzte er ab, der leibliche Vater, denn: Der Ehemann ist der einzige – allenfalls später noch das Kind –, der die Vaterschaft anzweifeln kann. Tut er dies nicht, kann kein Verfahren in Gang gesetzt werden, weder vom Kindsvater noch von der Mutter.

Die Gesetzeslage ist eindeutig und so waren den Richtern wohl die Hände gebunden. Doch: Kann das gesetzlich vorgegebene «die Augen verschliessen vor der Wahrheit» dem Kindswohl entsprechen? Oder kann es die bestehende eheliche Partnerschaft schützen?

Ich kenne den Fall nur aus der Zeitung, kann also nicht beurteilen, wie Ehemann, Ehefrau und Kindsvater zueinander stehen und was in diesem Fall das Beste für das Wohl des Kindes ist. Ich weiss nur, dass unsere Welt um einiges bunter und vielfältiger geworden ist und dass es heute die aussergewöhnlichsten Familienkonstellationen gibt.

Und ich hoffe, dass die Zeiten der ökonomischen Abhängigkeit der Ehefrau vom Ehemann vorbei sind und damit auch die Überbewertung der Ehe. Oder steht da vielleicht noch eine überwunden geglaubte Scheinmoral dahinter?

Meiner Meinung nach drängt sich hier eine Gesetzesänderung auf, damit alle Betroffenen – Ehefrau, Ehemann, Kindsvater und Kind – das Recht haben, die Anerkennung einer Vaterschaft in Gang zu setzen: Denn es kann vieles sein, was eigentlich nicht sein darf!