Strategiepapier
Es geht auch um Levrats Nachfolge

Wochenlang unterstellten sich radikale und gemässigte Genossen im vergangenen Herbst, keine richtigen Sozialdemokraten zu sein. Die SP-Parteispitze versucht nun beim neuen Wirtschaftskonzept, den sozialliberalen Flügel einzubeziehen.

Dennis Bühler
Dennis Bühler
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Ab Samstag soll bis in 15 Monaten ein umfassendes Wirtschaftskonzept erarbeitet werden – für die Partei nichts weniger als eine Zerreissprobe.

Ab Samstag soll bis in 15 Monaten ein umfassendes Wirtschaftskonzept erarbeitet werden – für die Partei nichts weniger als eine Zerreissprobe.

Keystone

Keine andere Schweizer Partei streitet schöner als die SP: Als der Vorstand den Delegierten vergangenes Jahr ein Strategiepapier vorlegte, konnten die Zeitungen dieses Landes wochenlang über gegenseitige Bezichtigungen des linken und des gemässigten Parteiflügels berichten – und das, obwohl die formulierten Ziele für eine «Wirtschaftsdemokratie» realpolitisch ohnehin folgenlos blieben.

Viel grösser ist das Projekt, das sich die SP-Spitze nun vorgenommen hat: Ab Samstag soll bis in 15 Monaten ein umfassendes Wirtschaftskonzept erarbeitet werden – für die Partei nichts weniger als eine Zerreissprobe.

Es geht um mehr als den Inhalt irgendwelcher Papiere, die so oder so rasch wieder in Schubladen verschwinden: Es geht um die Zukunft der Partei und um die Frage, wer die SP nach der Ära von Christian Levrat führen soll. Der sozialliberale Flügel um die Ständeräte Pascale Bruderer und Daniel Jositsch muss endlich liefern. Die Phrasen im Grundlagenpapier, das sie im Juni medienwirksam präsentierten, reichen nicht, wenn sie eine Führungsrolle übernehmen und die Partei in die Mitte führen möchten.

Der linke Flügel um Nationalrat Cédric Wermuth – dank dem Wahlerfolg der Aargauer SP in der Poleposition für die Nachfolge des wohl 2019 oder 2020 zurücktretenden Levrat – muss beweisen, dass er zum Spagat zwischen ideologischen Visionen und mehrheitsfähiger Realpolitik fähig ist. Und Vizepräsident Beat Jans, der wohl ebenfalls gerne eine Treppenstufe aufsteigen würde, kann bei der Arbeit am Wirtschaftskonzept als Projektleiter zeigen, dass er die auseinanderdriftenden Strömungen innerhalb der Partei zusammenhalten kann.