Kommentar
Einsame Rufer gegen die Altersreform

Anna Wanner
Anna Wanner
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Die Unterschriften gegen die Altersreform 2020 wurden am Donnerstag bei der Bundeskanzlei in Bern eingereicht.

Die Unterschriften gegen die Altersreform 2020 wurden am Donnerstag bei der Bundeskanzlei in Bern eingereicht.

KEYSTONE/PETER SCHNEIDER

Unter dem Leitspruch «ungerecht für jung und alt» wirbt das Nein-Komitee gegen die Altersreform, über die wir am 24. September abstimmen. Die Kampagne suggeriert, dass die Reform ein Verrat an den Jungen begehe, weil sie die Last der Reform tragen müssten, ohne zu wissen, ob sie je noch in den Genuss von Rentenleistungen kommen werden. Gleichzeitig würden die Alten bestraft, weil sie vom AHV-Zuschlag à 70 Franken nicht profitieren. Ungerecht sei die Reform überdies für die Frauen, die neuerdings länger arbeiten müssten.

Dumm nur, dass die angesprochenen «Verlierer» die Altersreform unterstützen. Bereits vor zwei Wochen stellte sich mit Pro Senectute die grösste Seniorenorganisation der Schweiz hinter die Reform: Diese sei ein wichtiger Schritt zur Sicherung der heutigen und künftigen Renten. Dann kamen die Frauenorganisationen. Der Dachverband alliance F erklärte, dass die Frauen für die Reform zwar einen grossen Beitrag leisteten,indem sie länger arbeiten werden. Doch mit der Flexibilisierung und Senkung des Koordinationsabzugs profitierten besonders «jene 58 Prozent der erwerbstätigen Frauen, die Teilzeit arbeiten». Sie können endlich eine eigene zweite Säule aufbauen. Gestern äusserten sich nun die jungen Liberalen von Operation Libero zur Reform. Das Ausspielen von Jung gegen Alt empfinde sie als störend und nicht zielführend, sagte Co-Präsidentin Flavia Kleiner in der «SonntagsZeitung». Die Vorlage sei für Operation Libero keine Schicksalsfrage. «Wir werden uns deshalb weder für noch gegen die Vorlage äussern.»

Im Parlament höhnten die Gegner, die CVP stehe im Abstimmungskampf alleine da. Nun entpuppt sich zunehmend die FDP als einsame Ruferin.