Vaterschaftsurlaub
Ein probates Mittel gegen das Monopol

Moderne Väter begnügen sich nicht mehr mit einer Nebenrolle. Der Vaterschaftsurlaub verbessert die Voraussetzung dazu. Der Kommentar.

Jonas Schmid
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Moderne Väter wollen nicht auf die Rolle des Ernährers und Sonntags-Papis reduziert werden.

Moderne Väter wollen nicht auf die Rolle des Ernährers und Sonntags-Papis reduziert werden.

KEYSTONE/AP/MICHAEL SOHN

Schluss mit Reisen und Party ohne Ende. Nichts stellt das Leben junger Paare so sehr auf den Kopf wie die Geburt des eigenen Kindes. Von frühmorgens an heisst es Windeln wechseln, Schoppen zubereiten, Nuggi suchen und das schreiende Baby beruhigen. Die erste Zeit als junge Familie ist kein Wellness, sondern überaus kräfteraubend.

Da würde man meinen, der frischgebackene Vater täte nichts lieber, als sich nach einem 24-Stunden-Ausflug in die Babywelt ins ruhige Büro zurückzuziehen. Fehlanzeige. Dafür haben Väter nicht Hormonschwankungen ihrer Partnerinnen überstanden, im Schwangerschaftskurs Atemübungen trainiert und die Geburtsstrapazen miterlebt.

Moderne Papis begnügen sich nicht mehr mit einer Nebenrolle. Sie wollen mehr Verantwortung bei der Kindsbetreuung. Und wie die Mutter lernen sie diese am besten von der Pike auf. Will heissen, in den ersten Tagen nach der Geburt. Nichts kommt da ungelegener als eine vorzeitige Rückkehr an die Arbeit. Kommt der Vater abends nach Hause, ist das Baby schon gestillt, gewaschen, gewickelt und mit einem Beinchen im Bett. Hat er Glück, darf er seinen Nachwuchs noch in den Schlaf singen.

Schlechte Voraussetzungen, um die Bedürfnisse des eigenen Kindes kennen zu lernen. Schnell ist der Vater weg vom Fenster. Die Monopolisierungsfalle schnappt zu. Mama weiss besser, wie man wickelt, zu essen gibt, ankleidet und welches Nuggi-Modell angesagt ist. Dem Vater bleibt nur noch die Rolle des Ernährers und Sonntag-Papis. Das kann ein Vaterschaftsurlaub verhindern. Er gibt dem Vater von Anfang an das Vertrauen, voll für sein Kind da zu sein.