Gemeindefusion
Ein Entscheid der Vernunft

Attelwil und Reitnau haben Ja zur Fusion gestimmt. Doch die Hälfte der Attelwiler ist noch nicht im Boot.

Flurina Dünki
Flurina Dünki
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Das Nein-Plakat der Attelwiler Landwirte wird von den Befürwortern zum Siegerplakat gemacht. Raphael Nadler

Das Nein-Plakat der Attelwiler Landwirte wird von den Befürwortern zum Siegerplakat gemacht. Raphael Nadler

Attelwil gibt es als selbstständige Gemeinde bald nicht mehr. Offiziell fusioniert sie mit Reitnau, aber eigentlich ist es ein Anschluss. So zentrale Dinge, wie das eigene Dorfwappen, gehen den Attelwilern verloren. Wohl darum hat sich gestern fast die Hälfte der Attelwiler gegen die Fusion mit Reitnau ausgesprochen.

Rein rational gibt es kaum Gründe gegen den Zusammenschluss. Im Gegenteil: Die Fusion macht mehr Sinn, als alle anderen Fusionsbestrebungen, die es in den letzten Jahren im Westaargau gegeben hat. Für das kleine Attelwil (274 Einwohner) wäre es immer schwieriger geworden, als autonome Gemeinde weiterzuexistieren. Spätestens, wenn für Ämter nicht mehr genug Leute hätten gefunden werden können – wovor der Gemeinderat bereits warnte – hätte der Kanton einschreiten müssen.

Zudem funktionierten die beiden Dörfer faktisch in vielen Bereichen schon als eine Gemeinde: Sie teilen sich die Schule, die Kirchgemeinde, die Feuerwehr, den Zivilschutz, den Friedhof die Wasserversorgung und nicht zuletzt die Gemeindeverwaltung. Mit dem Fusionsvertrag wird also formal zusammengeführt, was im Alltag schon längst zusammen ist.

Das der letzte Schritt für viele Attelwiler schwerer zu machen war, als von der Politik erhofft wurde, zeigt die sensationell hohe Stimmbeteiligung von 77,4 Prozent gestern. Es ist emotional diskutiert und heftig gestritten worden. Nun müssen die Menschen, die verloren haben während des Umsetzungsprozesses ins Boot zu geholt werden. Und das ist nur möglich, wenn ihre Ängste ernst genommen werden und auf deren Anliegen eingegangen wird.

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