Kommentar
Ein Burkini ist keine Burka

In dieser Badesaison sind an den französischen Stränden vermehrt Burkinis aufgetaucht. Dies schürt im terrorversehrten Land Ängste – irrationale Ängste. Ein Kommentar von Korrespondent Stefan Brändle.

Stefan Brändle, Paris
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Ein Mädchen in Australien zeigt seinen islam-konformen Schwimmanzug, genannt: Burkini. (Archiv)

Ein Mädchen in Australien zeigt seinen islam-konformen Schwimmanzug, genannt: Burkini. (Archiv)

Keystone

Frankreich, das Land des strikten Laizismus, hat schon vor zehn Jahren ein Kopftuch- und dann ein Burkaverbot erlassen. Der Burkini ist an französischen Stränden aber erst in dieser Saison richtig aufgetaucht. Das scheint in dem terrorversehrten Land – gerade im traumatisierten Nizza – irrationelle Ängste zu schüren. Es genügt, die Begründung für die lokalen Verbote zu lesen, um ihren Widersinn zu erkennen. Warum soll man an einem Strand nicht den Oberkörper bedecken dürfen?

Wer die Burkini-Trägerinnen beobachtet, stellt rasch fest, dass es – anders als bei den Burka-Trägerinnen – keine radikalisierten Islamistinnen sind. Diese würden von ihren Männern gar nicht an den Strand gelassen. Der Burkini scheint gerade für Muslima im besten Alter eher ein Mittel zu sein, trotz Religion oder Herkunft den Freuden des Strandlebens frönen zu können.

Den Burkini zu akzeptieren, heisst im Falle von Frankreich zu akzeptieren, dass ein Zehntel der Bevölkerung eigene Sitten- und Bekleidungsvorstellungen hat. Ein Burkini hat nichts mit der stossenden Gesichtsverhüllung einer Burka zu tun. Die Güterabwägung spricht klar zugunsten der persönlichen Freiheit und gegen die laizistischen Prinzipien. Es ist deshalb zu hoffen, dass die Burkini-Verbote ein saisonales Phänomen bleiben, das unter dem Eindruck des Nizza-Attentats zustande gekommen ist – und das in der nächsten Badesaison wieder in Vergessenheit gerät.

stefan.braendle@azmedien.ch