Immobilienmarkt
Eigenheim wird wieder zum Luxus

Der Boom am Immobilienmarkt konnte gezähmt werden, damit hat sich ein Gleichgewicht eingependelt.

Tommaso Manzin
Tommaso Manzin
Merken
Drucken
Teilen
Die erhöhte Schwierigkeit, zu Wohneigentum zu kommen, wird von den tiefen Zinsen abgefedert. Steffen Schmidt/Key

Die erhöhte Schwierigkeit, zu Wohneigentum zu kommen, wird von den tiefen Zinsen abgefedert. Steffen Schmidt/Key

KEYSTONE

Die tiefen Zinsen sind den meisten unheimlich, von der verkehrten Welt negativer Sätze, in der Gläubiger Schuldnern Zins Zahlen, um ihnen Geld leihen zu dürfen, ganz zu schweigen. Entsprechend laut und regelmässig ist die Kritik an der Nationalbank. Die tiefen Zinsen sind den meisten nur dann sehr heimelig, wenn sie sich dank tiefen Hypothekarsätzen ein Eigenheim kaufen können. Doch auch hier muss die Nationalbank Kritik wegstecken, hat sie es doch geschafft, vielen diese vielleicht einzige süsse Seite der Nullzinsen zu vergällen: Sie liess die Hypothekarvergabe durch die Banken verschärfen.

Und doch war der Mix aus den beiden Massnahmen zielführend: Der Boom am Immobilienmarkt konnte gezähmt werden – ganz ohne Crash. Wenn man will, zwar ein Gleichgewicht des Schreckens – aber ein Gleichgewicht: Die erhöhte Schwierigkeit, zu Wohneigentum zu kommen, wird von den tiefen Zinsen abgefedert. Die Nachfrage wurde dadurch nämlich nur gedämpft, nicht abgewürgt. Und umgekehrt: Dass die Latte beim Einsatz von Eigenmitteln höher gesetzt wurde, sorgt dafür, dass die tiefen Zinsen den Markt nur stützen, aber nicht zum Überkochen bringen.

Für viele Haushalte brächte die Hypothek im Vergleich zur Miete eine substanzielle Einsparung. Sie sehen sie vor sich, können sie aber nicht realisieren. Und hier liegt die Krux im Mix: Nur wer schon genug Geld hat, kann sich Wohneigentum leisten – und dank günstigen Wohnverhältnissen sparen. Dieser Wermutstropfen bleibt bitter, auch wenn
die Mieten sinken.

tommaso.manzin@azmedien.ch