NLA
EHC Kloten: zwischen Vernunft und Romantik

Im Schnitt machte der EHC Kloten pro Saison gut 6 Millionen Franken Verlust – oder anders ausgedrückt: Er war ein Fass ohne Boden. Jetzt will der neue Besitzer das Fass ein für alle Mal flicken.

Marcel Kuchta
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Der EHC Kloten im Fokus, die starke Region im Visier»: Hans-Ulrich Lehmann betritt, bestrahlt vom neuen Klub-Motto, das Podium der Medienkonferenz

Der EHC Kloten im Fokus, die starke Region im Visier»: Hans-Ulrich Lehmann betritt, bestrahlt vom neuen Klub-Motto, das Podium der Medienkonferenz

Keystone

Wie oft hat man diesen Spruch schon gehört? «Wir geben nur das aus, was wir einnehmen!» Im Sportbusiness wird diese Phrase seit Jahrzehnten unablässig gedroschen. Vor allem dann, wenn ein neuer Präsident in einer Sportorganisation das Ruder übernimmt und ein neues Zeitalter der Vernunft einläutet. Spätestens während der ersten sportlichen Krise erinnert sich dann niemand mehr an die guten Vorsätze. Und am Ende des Geschäftsjahres folgt oft das böse Erwachen.

In Kloten war das Erwachen in den letzten paar Jahren immer besonders schmerzhaft. Im Schnitt machte der Traditionsklub pro Saison gut 6 Millionen Franken Verlust – oder anders ausgedrückt: Er war ein Fass ohne Boden. Jetzt will Hans-Ulrich Lehmann, selber ein erfolgreicher Geschäftsmann (u.a. Gründer von Mobilezone) das Fass ein für alle Mal flicken. Er macht klar: Die fetten Jahre sind vorbei. Die Vernunft muss wieder einkehren, die teilweise horrenden Löhne gesenkt, notfalls Spieler verkauft werden. Und eben: «Wir geben nur das aus, was wir einnehmen!»

Das tönt alles gut und recht. Und man darf dem «Macher» Lehmann durchaus zutrauen, dass er seine Prinzipien durchsetzen wird. Auf der anderen Seite ist der Sport aber auch ein irrationales Geschäft, welches kaum Platz für Romantik bietet. Lehmanns Vision vom stark verankerten Dorfklub Kloten, der von den eigenen Junioren alimentiert wird und bei welchem die Spieler für weniger Lohn, als sie in anderen Teams verdienen würden, dem Puck nachjagen, ist zwar schön aber auch naiv.

Selbst wenn die Bodenständigkeit dazu führt, dass die Zuschauer ihren «EHC» wieder ins Herz schliessen: Wenn der Erfolg ausbleibt, dann wächst die Unzufriedenheit im Umfeld – allen Lippenbekenntnissen zum Trotz – rasend schnell. Dann werden die Prinzipien einer harten Belastungsprobe ausgesetzt – und gehen dabei nicht selten zu Bruch. Es ist Hans-Ulrich Lehmann zu wünschen, dass mit ihm das Zeitalter der Vernunft eingeläutet wird. Und zwar nicht nur in Kloten, sondern in der ganzen Eishockey-Schweiz. Doch die Zweifel am Gelingen des Unterfangens bleiben.

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